Text zur Zeit

Heike Geißler schreibt über „Verzweiflungen“: Ein Handbuch der Gegenwart

Wahlkampf und Gewalt ziehen sich durch diesen Essay der Leipziger Autorin, aber auch eine Wut, die sich in Mut verwandeln lässt. Die Kritik

Heike Geißler, 1977 in Riesa geboren, lebt in Leipzig
Heike Geißler, 1977 in Riesa geboren, lebt in LeipzigORF/dpa

Einen Witz verspricht Heike Geißler im ersten Satz ihres Buches. Sie kündigt ihn so ernst an, dass sie die Erwartung gleich aushebelt. „Jetzt, da mir einfällt, so zu beginnen – also von der Verzweiflung zuerst einmal abzulenken –, weiß ich allerdings nicht, wo er steht.“ Das Thema „Verzweiflungen“, das der Titel vorgibt, wird hier mehrfach auf solche und ähnliche Weise angetippt und verschoben. Dann sind kleine Szenen eingeflochten, etwa die Begegnung mit einem vor sich hin redenden Obdachlosen, der jeden Satz mit „quak-quak“ beschließt. Oder wenn sich die Nachbarschaft im Hof durch Kleidungsstücke und Picknickdecken präsentiert: „Ich lese die Wäscheleine.“ Es gibt aber auch Passagen, da springt einen das Unglück direkt an.

Berliner Zeitung

Mit einem Abo weiterlesen

  • Zugriff auf alle B+ Inhalte
  • Statt 9,99 € für 2,00 € je Monat lesen
  • Jederzeit kündbar