Sie war beim „Picknick der Friseure“ dabei, hat „Verbrecher und Versager“ begleitet, setzte „Johanna“ von Orleans ins Recht und erforschte in Amerika die „Prawda“, um später aus der Sage um „Die Nibelungen“ einen Stummfilm aus Buchstaben zu erschaffen. So mühelos lässt sich ein Teil des Werks von Felicitas Hoppe in einem Satz verbinden, eines vielgestaltigen Werks, für das sie jetzt mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet wird. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner wird ihn am 5. März im Roten Rathaus überreichen.
In der Aufzählung fehlt mindestens noch der Roman „Hoppe“, der von ihrem Leben erzählt – und auch nicht. Sicher ist, dass sie am 22. Dezember 1960 in Hameln geboren wurde, seit Anfang der 90er-Jahre Bücher veröffentlicht und 2012 mit dem bedeutenden Georg-Büchner-Preis geehrt wurde. Aber sicher ist auch, dass Felicitas Hoppe als Erzählerin eine große Erfinderin ist. Ihre Sprachkunst verbindet, so heißt es in der Begründung der Jury, „federleichten Humor mit tiefstem Ernst, wilde Fabulierlust mit scheuem Interesse an einer Welt, die es mit den Menschen häufig nicht gut meint“.
So führt ihre Neuerzählung von Hartmann von Aues „Iwein Löwenritter“ in märchenhafte Gefilde, so lässt sie den Schatz der Nibelungen bei einer Aufführung, für die ganz Worms auf den Beinen ist, als 13. Fee auftreten. Und so beschreibt sie im Roman „Pigafetta“ nicht die Seekrankheit im Bauch, „vollkommen harmlos“, sondern jene im Kopf, die Entdeckungen erst möglich macht. „Für einen ernsthaften Beruf und ein eigenes Haus“ habe es bei ihr „nie ganz gereicht“, sagt die Schriftstellerin in der Erzählung „Fieber 17“, entstanden in der Corona-Isolation. „Und so bin ich aus Not zur Dichtung gekommen.“
Berliner Literaturpreis ist mit 30.000 Euro dotiert
Die Auszeichnung vergibt die Stiftung Preußische Seehandlung. Sie ist mit 30.000 Euro dotiert und verbunden mit einer Berufung als Gastprofessorin am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Das heißt, die Preisträgerin, die ohnehin überwiegend in Berlin lebt, wird nicht nur bei der Preisverleihung Anfang März in der Stadt zu erleben sein, sondern auch noch in Aktion mit Studentinnen und Studenten. Hoppe selbst sieht dem froh entgegen, wie es in einer ersten Reaktion heißt, weil der Berliner Literaturpreis „die Literatur dorthin zurückbringt, wo sie tatsächlich hingehört: in die Arena der Universität und der Öffentlichkeit, wo sie gemeinsam gelesen, diskutiert und praktiziert werden kann“.
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