So viele Bücher, so wenig Zeit. Oft braucht man einen guten Rat, um sich zurechtzufinden. In der Krimibuchhandlung Hammett schaut der Inhaber Christian Koch seit mehr als zwei Jahrzehnten schon, was sich zu lesen lohnt. An ihn geht die Frage: Wie sieht der Krimi-Frühling aus?
Christian Koch: Für das Hammett ist es ein gutes Frühjahr. Es sind schon starke Titel draußen, die bei unserem Publikum gut ankommen. Zum Beispiel ist mit „Zuflucht“ gerade ein neuer Roman des Australiers Gary Disher erschienen; über ihn muss man gar nicht viel sagen. Empfehlen möchte ich Frauke Buchholz: Sie beendet mit dem vierten Band eine in Kanada spielende Serie. Es geht in diesen Büchern im Hintergrund immer um die Geschichte Kanadas, den Umgang mit den indigenen Völkern. Hinzu kommt der umweltschädliche Ölsandabbau. Die Autorin nutzt ihr Wissen für die Handlung. „Endzeit“ heißt das Buch, erschienen bei dem sehr engagierten Pendragon-Verlag aus Bielefeld.
Von der norwegischen Autorin Brit Bildøen gibt es jetzt erstmals etwas auf Deutsch. „Das Unwetter“, bei btb herausgekommen, ist eine tolle Entdeckung. Der Roman spielt in einem Hotel in den norwegischen Bergen, wo die erwachsenen Kinder die Goldene Hochzeit ihrer Eltern ausrichten, ein Familientreffen. Durch einen Erdrutsch nach Regen ist die Gesellschaft zwei Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Das ist ja ein klassisches Motiv – Brit Bildøen kleidet es in ein neues Gewand. Es tauchen zwei Jäger auf, der Hund flippt aus, bald erfährt man mehr über die Beziehungen in der Familie. Was mich überrascht hat, ist die psychologische Spannung, die die Autorin ganz leise und fein aufbaut.


