Bücherfrage

Christian Koch vom Hammett: Welche Krimis lohnen sich zu lesen?

In den Buchläden hat der Frühling schon begonnen. Für die Bücherfrage der Woche empfiehlt der Krimibuchhändler Christian Koch vom Hammett drei neue Titel.

Christian Koch in seiner Buchhandlung Hammett in der Kreuzberger Friesenstraße
Christian Koch in seiner Buchhandlung Hammett in der Kreuzberger FriesenstraßeMarkus Wächter/Berliner Zeitung

So viele Bücher, so wenig Zeit. Oft braucht man einen guten Rat, um sich zurechtzufinden. In der Krimibuchhandlung Hammett schaut der Inhaber Christian Koch seit mehr als zwei Jahrzehnten schon, was sich zu lesen lohnt. An ihn geht die Frage: Wie sieht der Krimi-Frühling aus?

Christian Koch: Für das Hammett ist es ein gutes Frühjahr. Es sind schon starke Titel draußen, die bei unserem Publikum gut ankommen. Zum Beispiel ist mit „Zuflucht“ gerade ein neuer Roman des Australiers Gary Disher erschienen; über ihn muss man gar nicht viel sagen. Empfehlen möchte ich Frauke Buchholz: Sie beendet mit dem vierten Band eine in Kanada spielende Serie. Es geht in diesen Büchern im Hintergrund immer um die Geschichte Kanadas, den Umgang mit den indigenen Völkern. Hinzu kommt der umweltschädliche Ölsandabbau. Die Autorin nutzt ihr Wissen für die Handlung. „Endzeit“ heißt das Buch, erschienen bei dem sehr engagierten Pendragon-Verlag aus Bielefeld.

Von der norwegischen Autorin Brit Bildøen gibt es jetzt erstmals etwas auf Deutsch. „Das Unwetter“, bei btb herausgekommen, ist eine tolle Entdeckung. Der Roman spielt in einem Hotel in den norwegischen Bergen, wo die erwachsenen Kinder die Goldene Hochzeit ihrer Eltern ausrichten, ein Familientreffen. Durch einen Erdrutsch nach Regen ist die Gesellschaft zwei Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Das ist ja ein klassisches Motiv – Brit Bildøen kleidet es in ein neues Gewand. Es tauchen zwei Jäger auf, der Hund flippt aus, bald erfährt man mehr über die Beziehungen in der Familie. Was mich überrascht hat, ist die psychologische Spannung, die die Autorin ganz leise und fein aufbaut.

Wie ein Film Noir zum Lesen

Das dritte Buch, das ich empfehlen möchte, stammt von dem Amerikaner Mark SaFranko. „Dear Professor Romance“ spielt im Hier und Jetzt. Der Berliner Pulpmaster-Verlag zeigt da wieder sein Gespür für eigenartige, besondere Kriminalromane. Ein Mann kommt abends in der Kneipe auf die Idee, eine Dating-Agentur zu eröffnen, Professor Romance nennt er sie. Zu seiner Verwunderung floriert sie bald, weshalb er jemanden einstellt, der als eine Art Ghostwriter die Profile attraktiver macht. Es entspinnt sich eine schräge, an den Film Noir erinnernde Geschichte, die zugleich durch ihren Stoff sehr modern ist. Das gefällt mir gut, vor allem durch die lakonische Erzählweise, nicht bösartig, sondern hintersinnig.