Die Frage, was eine gute Nachricht ist, wird Matthias Nawrat gerade sehr leicht beantworten können. Am Mittwochmittag klang sie für ihn so: „In Anerkennung seines herausragenden literarischen Schaffens verleiht die Stiftung Preußische Seehandlung den mit 30.000 Euro dotierten Berliner Literaturpreis 2026 an den Schriftsteller Matthias Nawrat.“ Überreichen wird die Auszeichnung einen Monat später der Regierende Bürgermeister im Roten Rathaus.
Der Frage, was ein glückliches Schicksal ist, widmet Nawrat gerade ein ganzes Buch, das im März erscheint. In diesem neuen Roman geht es laut Rowohlt-Verlag um die großen philosophischen und soziologischen Themen des 20. Jahrhunderts. Eine junge polnische Psychologin trifft in Venedig Anfang der 1980er-Jahre einen polnischen Wissenschaftler, der dort im Exil ist. Ihre Ansichten prallen aufeinander. „Vom Leben östlich und westlich des Eisernen Vorhangs“ handelt der Roman laut Verlagsankündigung.
Die Mikrokosmen der Gegenwart
Das Östlich-Westliche beschäftigt Nawrat als Autor schon lange und biografisch noch länger. Er wurde 1979 im polnischen Opole geboren. Seine Familie emigrierte in die Bundesrepublik, nach Bamberg, als er zehn Jahre alt war. Bevor er sich dem literarischen Schreiben zuwandte, studierte er Biologie. Seit 14 Jahren nennt er Berlin sein Zuhause. Er sagt: „In der Stadt Berlin öffnen sich die Tore zu verschiedenen Mikrokosmen unserer globalisierten Gegenwart.“ Die Jury schreibt in ihrer Begründung, so wie Matthias Nawrat „einen eingeschränkten westlichen Horizont immerzu“ aufreiße und den Blick in alle Richtungen öffne, bedeute „Zeit bei ihm stets Gleichzeitigkeit“.
Das heißt: In seinen Romanen, hervorzuheben sind da besonders „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ (2015) und „Der traurige Gast“ (2019), hängen die Figuren in den Schlingen der sich wandelnden politischen Bedingungen, tragen die Prägungen der Familie mit sich, während sie sich in einer Gegenwart zurechtfinden müssen. Er legt das, was ein Leben ausmacht und beeinflusst, sukzessive frei – als würde er sein erworbenes naturwissenschaftliches Besteck auch im Umgang mit der Sprache für gesellschaftliche Verhältnisse nutzen.


