„Russlands Rückkehr zur Biennale von Venedig ist moralisch falsch, und die EU beabsichtigt, ihre Finanzierung zu kürzen“, das betonte am Dienstag EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas (von 2021 bis 2024 Premierministerin von Estland) nach einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg. Während Russland Museen bombardiere, Kirchen zerstöre und versuche, die ukrainische Kultur auszuradieren, dürfe es nicht zugelassen werden, dass der Aggressor seine eigene Kultur ausstelle.
Noch vor fast einem Monat waren der italienische Biennale Präsident Pietrangelo Buttafuoco und sein Stab der festen Meinung, die 61. Biennale di Venezia lebe von Offenheit, Austausch und Toleranz und sei unabhängig von geopolitischen Kalamitäten. Und das gelte eben auch für Russland. Die Pavillons in den Giardini seien kein Schauplatz für geopolitische Kulturkämpfe.
Russland hatte nach Beginn des Aggressionskriegs gegen die Ukraine die letzten beiden Biennalen ausgelassen: 2022 zogen sich die vorgesehenen Künstler aus Protest gegen den Angriff auf das Nachbarland von selbst zurück und 2024 überließ Moskau das Gebäude mit großgönnerischer Geste dem armen südamerikanischen Land Bolivien.
Nun aber will Moskau doch mit Vehemenz zurück auf die große Kunstbühne. Mit 50 jungen russischen Künstlern sollte der vor Jahren aufwendig sanierte und erweiterte grüne Pavillon bespielt werden. Das inhaltliche Programm wurde allerdings nur vage umrissen. Es kam sofort zu heftigen Protesten aus der Ukraine und deren diesjährigen Biennale-Teilnehmern, die ihren Beitrag trotz des verheerenden Kriegs unbeirrt vorbereiten, sowie solidarischen Künstlern und Politikern aus der ganzen Welt, insbesondere der EU-Staaten.

