In Genua funktioniert Google Maps nicht. Zu dicht ist das Gewirr der Gassen zwischen den hohen barocken Palästen innerhalb der alten Stadtmauer und der fragilen Hochstraßen entlang der Küste. Man kann die App höchsten wie einen Kompass in Richtung des Ziels auf der Karte nutzen. Und läuft durch die morbide Pracht historischer Residenzen, deren Gärten heute oft Parkplätze sind oder durch spätere Wohnhäuser hoch überbaut wurden. Der alte Dogenpalast mit seinen verblassten Fresken, der historische Empfangsbau der Stadt, an dem die Händler über Jahrhunderte ihren Zoll entrichteten, liegt heute nicht mehr am Hafenbecken, sondern mit Blick auf Brücken und Straßen. Neben den noblen Hotels sagen junge Dealer: „Come si svolge“, und Prostituierte warten fröstelnd auf Freier.
Die Pracht einer Stadt, die einst wie Venedig eine Großmacht am Mittelmeer war, mit ihren kolossalen Plätzen und Brunnen und Bankhäusern, wird heute durchbrochen von modernen Türmen des Geldes und Gassen der Armut, umgeben von Hafenanlagen und Industriegebieten vergangener Zeiten. Die Landebahn des Flughafens liegt zwischen Mittelmeer und Hafenbecken mit Blick auf die Berge und eine Stadt, die sich über 35 Kilometer entlang der Küste und zwei Täler die Berge hinauf durch Fabriken, Shoppingmalls, Schlafsiedlungen und die Palais der Reichen erstreckt. Zwischen Kränen und Bürohäusern steht der 1000 Jahre alte Leuchtturm, und Google weiß nie, wo man ist, obwohl man es selbst sehr genau spürt.

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