Jazz in the Garden im Jüdischen Museum mit dem Shay Hazan Quintet
Shay Hazans musikalische Wurzeln reichen in die auf Wiederholungen beruhende Gnawa-Musik, die in Marokko beheimatet ist. Deshalb spielt er auch manchmal auf der Gimbri, einer dreisaitigen Laute. Inspiriert ist seine Musik aber auch von Strömungen des HipHops und der Chicagoer Free-Jazz-Szene der 1960er-Jahre. Seit den 2010er-Jahren spielte er in der Avantgarde-Szene von Tel Aviv in verschiedenen Formationen, nun hat er seine eigene fünfköpfige Band, das Shay Hazan Quintet, zu dem Tal Avraham (Trompete), Eyal Netzer (Saxofon), Milton Michaeli (Klavier), Shahar Haziza (Schlagzeug) gehören. Am Sonntag treten sie in traumhafter Umgebung auf: im Garten des Jüdischen Museums Berlin, bei schlechtem Wetter im Glashof. Jazz in the Garden heißt die Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers im Jüdischen Museum Berlin. Susanne Lenz
Jazz in the Garden. 23. Juli, 11 Uhr, Jüdisches Museum Berlin. Der Eintritt ist frei, man muss sich allerdings online anmelden
In der romantischen Klosterruine in Mitte: Shirin Sabahis „Out of Season“
Ein Garten brauche keine Saison, das sagt uns die aus Teheran stammende Künstlerin Shirin Sabahi mit ihren Installationen ganz hinten im einstigen Schiff der Klosterruine in Mitte. Der Ort ist ein Fragment von anno 1250, wie der Romantiker Caspar David Friedrich ihn als ideales Motiv für Vergänglichkeit gemalt hätte. Und in der Tat funktioniert dieser „Garten“ der 1984 geborenen Perserin zu jeder Jahreszeit und außerhalb der Saison. Er ist zudem ein Material und Form gewordene Widerspruch, kein orientalisches Paradiesgärtlein, kein Refugium für Pflanzenwachstum und Blüte inmitten der backsteingotischen Franziskaner-Kirchenruine. Sie hat eine erst katholische, dann protestantische Geschichte – mit zig Umbauten und 1945 dem Bombenhagel der Alliierten als Antwort auf die nazistischen Weltkriegsverbrecher.

Sabahi selbst verortet ihre künstlichen Blumen samt bemaltem Wasserbecken, einem achteckigen, etwas unpassend an ein öffentliches Pissoir erinnerndes Brunnengebilde mit Pumpe im „Grenzbereich zwischen Rationalität und Spekulation, zwischen Utopie und Dystopie“. Gärten seien von Ordnung und Kontrolle geprägt, zugleich aber auch immer durch Abweichungen und eigensinnige Kräfte gekennzeichnet. Ihr „Garten“ evoziert eine aus den Fugen geratene Zeit, in denen Pflanzen und Arten wegen des sträflichen Umgangs der Menschen mit der Natur, wegen der Gier und dem Ressourcen-Kampf und der daraus resultierenden fatalen Klimaveränderung nur als künstliche Abbilder weiterleben und indem der vermeintliche Zufluchtsort durch seine Vergänglichkeit, Künstlichkeit und Kommodifizierung konterkariert wird. Es geht um Veränderung durch Zirkulation und Verdrängung. Klöster, als Rückzugsorte vom Treiben der Welt, sind schon aus langer Tradition mit Gartenbau verbunden. Ingeborg Ruthe
Out of Season. Franziskaner-Klosterruine, Klosterstraße 73 a, noch bis 6. August, jeweils Mo.–So. 10–18 Uhr
Es gibt ihn noch, den Schokoladen in Mitte!
Ach, Wende-Idylle! In den braungrauen, putzabgeblätterten, salpeterdurchfressenen Mietshäusern in der Ackerstraße 169–171 lebten noch in zwei Wohnungen ein paar Nachbarn, und die Parterre-Räumlichkeiten wurden zuletzt von einer Sekundärrohstoffannahmestelle (Sero) genutzt, aber das Recycling-System war mit dem Gesellschaftssystem auch schon abgewickelt. Man sieht es vor sich: zurückgelassene Einweckgläser mit Marmeladenresten und Flaschen mit farbenfrohen Neigen von Goldbrand, Pfeffi- und Kirschlikör, aufgeweichtes Zeitungspapier, dazwischen Essigbäume und vermutlich ein paar aus den Fenstern geflogene Möbel mit Mäusefraß. Es gibt keinen schöneren Platz auf dieser Welt und keinen schöneren Moment in der Geschichte für ein Bierchen mit Freunden in diesem Setting.
Ein paar Leute haben das leer stehende Haus besetzt und ein alternatives Kulturprojekt gegründet, genannt Schokoladen, weil hier früher mal Schokolade angerührt wurde. Hier residierten neben der Kneipe das Orph-Theater, der Club der Polnischen Versager, die Comicbibliothek Renate, die alternative Stadtzeitung Scheinschlag sowie diverse Künstler und Musiker, welche die Räumlichkeiten als Ateliers, Proberäume und Studios nutzen. Gegen alle kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten und trotz aller Versuche, die lukrative Immobilie dem Markt zuzuführen, gibt es den Schokoladen noch heute, 33 Jahre später. Und das muss gefeiert werden, mit einem dreitägigen Hoffest. Die Liste der Bands ist lang, geboten wird alles von Psych Grooves über Spank-Rock bis Anatolian Kraut Exp Post Punk. Und es finden sich sicher noch ein paar Neigen, die man im Schatten der Essigbäume austrinken kann. Ulrich Seidler
33 Jahre Schokoladen – drei Tage Hoffest. 21.–23. Juli. Programm und Informationen unter schokoladen-mitte.de
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