Museum

Georg Kolbes „Tänzerinnenbrunnen“ kommt unter den Hammer

Nach Einigung mit den Erben der Familie Stahl wird das Werk mit belasteter Provenienz bei Grisebach versteigert. Damit dürfte es bald aus dem Garten des Kolbe-Museums verschwinden.

Der „Tänzerinnenbrunnen“ im Garten des Kolbe-Museums
Der „Tänzerinnenbrunnen“ im Garten des Kolbe-MuseumsImago

Nach monatelanger Debatte und einer gütlichen Einigung soll nun der „Tänzerinnenbrunnen“ von Georg Kolbe (1877–1947) am 4. Juni bei Grisebach versteigert werden. Der Schätzpreis ist mit 1–1,5 Millionen Euro angegeben. Man sehe das Potenzial, den bestehenden Auktionsrekord für Kolbe zu übertreffen. Angepriesen wird in der Ankündigung vom Freitagmittag die ikonische Figur der Brunnentänzerin, welche in eindrucksvoller Weise klassische Formensprache mit Einflüssen außereuropäischer Ästhetiken vereine und zu den herausragenden Arbeiten des Bildhauers gehöre.

Das Kunstwerk, das 1978 seinen Platz im Skulpturengarten des Kolbe-Museums gefunden hatte, gehörte ursprünglich Heinrich Stahl, dem Direktor der Victoria-Versicherung und Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Er hatte Kolbe in den frühen 1920er-Jahren beauftragt, den Brunnen für den Garten seiner Villa in Berlin-Dahlem zu entwerfen. 1941 mussten Jenny und Heinrich Stahl Haus und Kunstwerke zwangsweise verkaufen, sie verloren die Erlöse 1942 bei ihrer vollständigen Enteignung. Kurz darauf deportierten die Nationalsozialisten das Ehepaar nach Theresienstadt, wo Heinrich Stahl an den Haftbedingungen starb. Jenny Stahl überlebte und emigrierte 1950 zu ihrem Sohn in die USA.

Ohne Wenn und Aber

Stahls Villa samt Brunnen hatte den Angaben des Auktionshauses zufolge 1941 Theodor Dimanow übernommen, der von 1942 bis 1944 als bulgarischer Gesandtschaftsrat in Berlin tätig war. Von dessen Erben wurde die Tänzerin 1978 für das Museum angekauft.

Die Provenienz wurde in den letzten Monaten öffentlich debattiert und schließlich geklärt, dass die Kriterien für NS-Raubkunst erfüllt sind. Das Museum bot den Nachfahren der Familie Stahl die Rückgabe „ohne Wenn und Aber“ an. Nach weiteren Verhandlungen konnte offenbar eine abschließende Einigung erzielt werden. Nun wird das Werk von Grisebach im Auftrag der Erben angeboten. Die Hoffnung, dass der Brunnen mitsamt seiner Besitzgeschichte in Berlin öffentlich zugänglich bleibt, vielleicht sogar im Garten des Museums, ist gering. Stadt und Museum werden wohl kaum mitbieten.