Veranstaltungshinweis

Zeitreise mit Zeitzeugen: Der Film „Zärtlich kreist die Faust“

Während dreier Wochen am Anfang des Umbruchjahres 1990 begleitete ein Kamerateam den Schriftsteller Lutz Rathenow. Jetzt ist der Film noch einmal zu sehen.

Lutz Rathenow (r.) zusammen mit dem Fotografen Harald Hauswald, der das Bild 1986 per Selbstauslöser aufnahm.
Lutz Rathenow (r.) zusammen mit dem Fotografen Harald Hauswald, der das Bild 1986 per Selbstauslöser aufnahm.Harald Hauswald

Zu einer Zeitreise mit Zeitzeugen unter dem Titel „Zärtlich kreist die Faust“ lädt die Brotfabrik an der Weißenseer Spitze am Montagabend ein. Der Dichter Lutz Rathenow ist dabei, wenn ein Film vorgeführt wird, in dem er die Hauptrolle spielt. Anschließend wird er mit Claus Löser, dem langjährigen Filmkolumnisten der Berliner Zeitung, sprechen und noch kurz etwas lesen.

Die westdeutschen Filmemacher Hilde Bechert und Klaus Dexel begleiteten den damals 37-jährigen Rathenow zwischen dem 27. Januar und dem 18. Februar 1990. Bechert erklärte damals: „Wir wollten eine Dokumentation über das Entstehen literarischer Texte in einer außergewöhnlichen Situation schaffen.“

Die Universität Jena entschuldigt sich

Rathenow war ein in der DDR unveröffentlichter Dichter, befreundet mit Oppositionellen wie Jürgen Fuchs und Roland Jahn. War einem schon damals bewusst, dass sich Berlin in den Wochen seit dem Mauerfall rasant veränderte, wirken die Bilder heute noch viel fremder.

Die Kamera war auch dabei, als der längst in Berlin lebende Lutz Rathenow nach Jena fuhr. Das ist nicht nur die Stadt seiner Kindheit und Jugend, es ist auch jene, wo er sich politisierte, 1973 den Arbeitskreis Literatur und Lyrik gründete und 1977 der Universität verwiesen wurde. In der Dokumentation nimmt Rathenow die Entschuldigung für seine Relegierung von der Uni entgegen und besucht die örtliche Stasi-Zentrale, in der er einst inhaftiert war und die zu der Zeit von seinen Freunden besetzt ist. Später schloss sich ein Kreis, als Rathenow von 2011 bis 2021 Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war.

In einer Szene des Film begegnet er dem Fotografen Harald Hauswald, mit dem er 1987 im Münchener Piper-Verlag das Buch „Ost-Berlin“ herausgebracht hatte. Auch um dieses wird es an dem Abend gehen, es wurde 2017 im Jaron-Verlag in Berlin in der ursprünglich von Hauswald und Rathenow gewünschten Zusammenstellung neu aufgelegt und dann immer wieder ergänzt. Gerade ist die 15. Auflage der 7. Ausgabe erschienen.

Film und Gespräch: Montag, 26. Januar 2026, 18 Uhr, Brotfabrik Berlin, Caligariplatz 1