Theater

„Drei Schwestern“ am Berliner Ensemble: Blubbern zwischen Munitionskisten

Mateja Koleznik inszeniert Tschechow in einer der Gegenwart angemessenen Weise. Nervenschwache, faule, selbstbezogene Leute frusten sich an. Wer könnte wohl gemeint sein?

Dank Wodka kommt der frustrierte Mob doch mal in Bewegung, aber gleich ist Nachtruhe: „Drei Schwestern“ im Berliner Ensemble.
Dank Wodka kommt der frustrierte Mob doch mal in Bewegung, aber gleich ist Nachtruhe: „Drei Schwestern“ im Berliner Ensemble.Joerg Brueggemann/OSTKREUZ

Hier werden heute also die Frösche gekocht. So halb unter der Treppe, im provisorisch als Offizierscasino in Beschlag genommenen Durchgangsbereich einer Kaserne – da spielt in aller beiläufigen, gebrauchsgrauen und traurigen Gegenwartsangemessenheit die neue Version von Tschechows „Drei Schwestern“. Mateja Koleznik zieht in ihrer Inszenierung für das Berliner Ensemble ungebrochen und unbeirrt einen Stadttheaterrealismus durch, der eine zugängliche Deutung bereithält und das Publikum in seiner Wirklichkeit abholt.

In einer Wirklichkeit, die man ansonsten lieber nicht so genau ins Auge fasst. Nicht nur, weil sie keinen Glanz mehr hat, sondern weil sie auch in ihren Resten so zerbrechlich erscheint und man schon lange nicht mehr die nötige Fantasie aufbringen kann, um sich vorzustellen, dass sich etwas zum Besseren wendet. Nicht nur nicht bald, sondern auch nicht in 200 Jahren, wie es bei Tschechow heißt.

Berliner Zeitung

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