Infektionskrankheiten

Rotaviren, Noroviren und Co.: Magen-Darm-Erreger in Berlin weiter auf dem Vormarsch

Die Zahl der Erkrankungen ist in diesem Jahr bisher ungewöhnlich hoch. Laut Lageso liegen sie deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Das sind die Hintergründe.

Eine Frau liegt mit heftigen Bauchschmerzen auf einem Sofa: Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen haben in Berlin weiter Konjunktur.
Eine Frau liegt mit heftigen Bauchschmerzen auf einem Sofa: Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen haben in Berlin weiter Konjunktur.imago

Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen: Oft stecken Rotaviren hinter dieser Art von Beschwerden. Der Erreger gehört zu den weltweit häufigsten Ursachen für akute Magen-Darm-Erkrankungen. In Berlin ist er jetzt auf dem Vormarsch.

Die Zahl der gemeldeten Fälle hat sich nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) zuletzt ungewöhnlich stark erhöht. 83 Infektionen mit dem Rotavirus registrierte die Behörde allein in der zurückliegenden Berichtswoche. 2026 waren es insgesamt bereits 622, während in den zurückliegenden fünf Jahren durchschnittlich lediglich 463 binnen zwölf Monaten registriert wurden.

Rotaviren sind hoch ansteckend. Deshalb machen fast alle Kinder bis zum fünften Lebensjahr eine Infektion durch. Sie entwickeln zunächst eine Immunität gegen den Erreger, die aber nicht anhält. Besonders zwischen Februar und April häufen sich in Deutschland die Krankheitsfälle.

Aktuell sind in Berlin vor allem Erwachsene betroffen. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 42 Jahren. Etwa die Hälfte der Patienten befand sich zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus. Auch in Pflegeheimen kam es zuletzt zu Ausbrüchen.

Das Virus kann sich vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie eben Kliniken oder Heimen ausbreiten, aber auch in Kindergärten. Patienten haben sich den sehr widerstandsfähigen Erreger in der Regel über Schmierinfektionen und kontaminierte Oberflächen zugezogen.

Erwachsene erkranken meistens weniger schwer, häufig haben sie sogar keine Beschwerden. Säuglinge und Kleinkinder, Senioren und Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem sind dagegen besonders gefährdet.

Kontakt zu anderen Personen meiden

Die Behandlung einer Rotaviren-Erkrankung beschränkt sich darauf, die Symptome zu lindern. In der akuten Phase wird Bettruhe empfohlen. Der Kontakt zu anderen Personen sollte weitestgehend eingeschränkt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Deshalb ist Hygiene unabdingbar, insbesondere nach dem Toilettengang. Bei Durchfall sollte viel getrunken werden. Schwere Verläufe können eine Infusion erforderlich machen.

Die gleichen Verhaltensregeln gelten beim Norovirus. Auch bei diesem Erreger ist die Zahl der Infektionen, die dem Lageso gemeldet wurden, momentan ungewöhnlich hoch. In diesem Jahr wurden bereits mehr als 2900 Fälle registriert. In den fünf Jahren zuvor waren es im Mittel lediglich etwas mehr als 1800. „Nach den schwachen Norovirus-Wellen während der pandemischen Jahre zählt die Norovirus-Welle dieses Jahres, wie auch 2024, zu den stärkeren Jahren“, teilt das Lageso mit.

Wie Rotaviren sind auch Noroviren  hoch ansteckend, „und es reicht bereits eine geringe Anzahl von 10 bis 100 Viruspartikeln für eine Infektion aus“, so das Lageso. Typisch für den aggressiven Erreger sind urplötzlich auftretende Beschwerden. Dazu zählen heftiges Erbrechen, ebenso wässriger Durchfall. Betroffene fühlen sich stark geschwächt. Die Symptome halten meist einige Tage an.

Einige Menschen sind gegen das Norovirus resistent

Patienten sind nach einer Infektion gegen das Norovirus immun, allerdings nur wenige Monate. Auch schützt das körpereigene Abwehrsystem lediglich gegen den speziellen Virusstamm, mit dem die betroffene Person sich angesteckt hat. „Aufgrund der genetischen Vielfalt von Noroviren und kurzlebigen Immunität können sich Menschen im Laufe ihres Lebens mehrfach infizieren“, heißt es seitens des Lageso. „Einige Personen scheinen jedoch aufgrund genetischer Faktoren gegen Infektionen und Erkrankungen durch die häufigste Form des Norovirus resistent zu sein.“

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff zum Schutz vor Erkrankung. Anders verhält es sich mit dem Rotavirus. „Bei der Rotavirus-Impfung handelt es sich um eine Schluckimpfung mit einem oralen Lebendimpfstoff“, teilt das RKI mit. Seit 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Immunisierung im Säuglingsalter.