Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch sieht den jüngsten Versuch der italienischen Unicredit, weitere Anteile an der Commerzbank zu übernehmen, skeptisch. Koch sagte der Berliner Zeitung: „Das Angebot ist in der unfreundlichsten Form erfolgt – ohne vorherige Kommunikation mit der Commerzbank.“ Koch, als ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrates der UBS Deutschland und der UBS Europe sowie als Rechtsanwalt ein profunder Kenner des europäischen Bankenmarkts, ordnet das Vorgehen der Italiener ein: „Die Unicredit setzt ihren Zermürbungskrieg fort, denn angesichts des gebotenen Preises will sie nur wenig kaufen, und strategisch verändert das die Lage kaum. Für eine wirkliche Übernahme fehlt das Geld.“ Für Investoren mache „das Angebot überhaupt keinen Sinn“: „Es kommt zu einem Zeitpunkt, da die Kurse wegen des Marktumfelds allgemein niedrig sind. Jetzt zu verkaufen ist nicht attraktiv.“
Koch ist überzeugt, dass der neueste Unicredit-Versuch nicht nachhaltig ist: „Die Commerzbank ist trotz aller Widrigkeiten erfolgreich unterwegs. Investoren können darauf setzen, dass andere Entwicklungen kommen, wo wir deutlich zweistellige Aufschläge bei den Kursen sehen werden.“ Vor allem aus Berlin dürften den Ambitionen von Unicredit-Chef Andrea Orcel Grenzen aufgezeigt werden: „Die Bundesregierung setzt zu Recht das klare Signal, dass er die 12,1 Prozent des Bundes nicht bekommen wird“, sagte Koch.
Die italienische Großbank Unicredit hatte am Montag ein Angebot zur Übernahme weiterer Anteile an der Commerzbank vorgelegt. Die Unicredit strebt ein Tauschangebot an, um ihre Anteile am Kapital der deutschen Bank auf über 30 Prozent zu steigern, wie sie am Montag mitteilte. Die Bank gehe derzeit nicht davon aus, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen.

Mit einem Abo weiterlesen
- Zugriff auf alle B+ Inhalte
- Statt 9,99 € für 2,00 € je Monat lesen
- Jederzeit kündbar
Sie haben bereits ein B-Plus? Melden Sie sich an
Doch lieber Print? Hier geht's zum Abo Shop
