Energie

Trotz Sanktionen gegen Arctic LNG 2: US-Investor treibt Projekt mit Novatek voran

Ein US-Investor will mit Russlands Gaskonzern  in Alaska zusammenarbeiten – obwohl Arctic LNG 2 unter Sanktionen der USA steht. Wie passt das zusammen?

Bau der größten russischen Anlage zur Erdgasverflüssigung von Novatek in Murmansk, November 2021 (Symbolbild)
Bau der größten russischen Anlage zur Erdgasverflüssigung von Novatek in Murmansk, November 2021 (Symbolbild)Stanislav Krasilnikov/IMAGO

Die USA hatten die Nord-Stream-Pipelines jahrelang politisch bekämpft, auch unter Donald Trump. Das russische Großprojekt Arctic LNG 2 des privaten Energiekonzerns Novatek wurde unter Präsident Joe Biden ebenfalls mit harten Sanktionen belegt. Novatek selbst steht jedoch nicht unter umfassenden Sanktionen der USA.

Jetzt macht ein Trump nahestehender amerikanischer Investor öffentlich, dass er ein LNG-Projekt ausgerechnet mit diesem russischen Konzern anstrebt. Der texanische Investor Gentry Beach erklärte in der New York Times, er habe im Herbst 2025 ein Abkommen mit Novatek zur Entwicklung eines Flüssiggasprojekts in Alaska unterzeichnet.

Amerikanischer Investor strebt LNG-Projekt mit Novatek an: Darum geht es

Konkret gehe es um den Einsatz einer mobilen LNG-Anlage auf Basis von Novatek-Technologie. Beach sprach von einer „rein geschäftlichen Entscheidung“ und betonte, das Projekt sei „auf höchster Ebene“ in Moskau und Washington bekannt. Nach Angaben der New York Times führte Beach Gespräche mit Novatek-Chef Leonid Mikhelson, der zu den einflussreichsten Unternehmern im russischen Energiesektor zählt und regelmäßig an staatlichen Großprojekten beteiligt ist. Mikhelson steht in Großbritannien und Kanada unter Sanktionen, nicht jedoch in den USA oder in der EU.

Novatek bestätigte gegenüber der Zeitung Gespräche über die mögliche Nutzung seiner Verflüssigungstechnologie in Nordalaska, bestritt jedoch eine formelle Zusammenarbeit mit Beach. Zudem machte das Unternehmen deutlich: Eine Umsetzung sei nur mit Unterstützung der Behörden beider Länder denkbar.

Arctic LNG 2 beliefert China trotz Eis und Sanktionen

Eine Zusammenarbeit mit Novatek in Alaska dürfte für Beach auch deshalb relevant sein, weil der Konzern mit Arctic LNG 2 ein großes LNG-Projekt in der russischen Arktis mehrheitlich betreibt. Trotz Sanktionen der USA gegen dieses Projekt wurden von dort bereits einzelne Lieferungen nach China abgewickelt, selbst unter schwierigen Eisbedingungen.

Beach ist ein langjähriger Bekannter von Donald Trump jr. und war 2017 Vizevorsitzender für Finanzen beim Inaugurationskomitee des damaligen Präsidenten. Er bestreitet, dass diese Verbindung bei den Gesprächen mit Novatek eine Rolle gespielt habe. Zugleich erklärte er, er warte nicht auf politische Durchbrüche: „Derjenige, der früh in eine Gelegenheit einsteigt, ist meist derjenige, der Geld verdient.“

Nicht nur Nord Stream: Europas Energieinfrastruktur im Visier amerikanischer Investoren

Das Projekt selbst befindet sich laut Bericht in einem frühen Stadium und steht vor erheblichen Hürden. Es müssten größere Energieunternehmen als Partner gewonnen werden, die das Gas liefern. Zudem konkurriert das Vorhaben mit den von Donald Trump unterstützten Plänen für eine rund 800 Meilen lange Pipeline vom North Slope in den Süden Alaskas, wo das Gas verflüssigt und exportiert werden soll. Beach argumentiert, sein Projekt könne diese Pipeline ergänzen.

Brisant ist weniger die technische Machbarkeit als das politische Umfeld. Seit Monaten berichten Medien über amerikanische Investoren, die sich für Teile der europäischen Energieinfrastruktur interessieren. Stephen P. Lynch, ein Investor aus Miami, soll laut Wall Street Journal vor allem die beschädigten Nord-Stream-Pipelines im Visier haben.

Offiziell lehnt Berlin eine Wiederinbetriebnahme strikt ab, und die EU hat einen kompletten Ausstieg aus russischem Gas bis 2027 beschlossen. In informellen Gesprächskanälen wird über Modelle unter Beteiligung der USA spekuliert – etwa über amerikanische Investoren oder Käufer, die als Zwischenakteure auftreten könnten. Konkrete Vereinbarungen gibt es dazu nicht.

Der Vorstoß von Beach zeigt weiter, dass zumindest einzelne Akteure nicht auf ein formelles Ende des Ukraine-Krieges warten wollen, bevor sie wirtschaftliche Optionen ausloten. Dieses Ende ist vier Jahre nach dem Beginn der russischen Invasion kaum in Sicht, was die Unternehmer jedoch nicht zu bremsen scheint.

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