Im Krieg der USA und Israels mit dem Iran gerät die internationale Schifffahrt unter Druck. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) kündigte am Donnerstagnachmittag an, eine Dringlichkeitssitzung ihres Sicherheitsrates einzuberufen, um die Lage im Persischen Golf zu erörtern. Die UN-Organisation erklärte, die Sitzung sei auf Antrag mehrerer IMO-Mitglieder einberufen worden, nachdem sich die Lage im Iran-Krieg erneut zugespitzt hatte.
Der Irak und Oman schlossen am Donnerstag ihre Ölterminals, nachdem zwei Tanker vor der irakischen Küste angegriffen und in Brand gesetzt worden waren. Die iranischen Revolutionsgarden bekannten sich zu dem Angriff auf einen der beiden Tanker vor der irakischen Küste. Das Schiff fuhr unter der Flagge der Marshallinseln. In einer von iranischen Staatsmedien zitierten Erklärung gaben die Revolutionsgarden an, das Schiff habe Warnungen „missachtet und ignoriert“. Der zweite Tanker wurde in der Erklärung nicht erwähnt. Irakische Beamte gaben an, sie gingen davon aus, dass der Iran für die Angriffe auf die beiden Tanker verantwortlich sei, bei denen ein Mensch getötet wurde. Beide Tanker wurden vom Irak für den eigenen Öltransport genutzt und laut der irakischen Ölexportbehörde in einem Umschlaggebiet getroffen.
Zahlreiche Angriffe vor der Straße von Hormus
Die britische Schifffahrtsbehörde UK Maritime Trade Operations (UKMTO) gab bekannt, dass ein drittes Schiff in der Nähe von Dubai von einem unbekannten Geschoss getroffen wurde. Sicherheitsbedenken führten am Donnerstag auch zur Schließung eines Ölexportterminals im Oman. Die Verantwortlichen für die Angriffe waren zunächst unklar. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar hat die UKMTO mindestens 16 Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf, in der Straße von Hormus und im Golf von Oman registriert. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen, Zuweisungen von mutmaßlicher Täterschaft erst recht nicht.
Deutsche Reederei Hapag-Lloyd betroffen
Im Persischen Golf ist ein Schiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd am Donnerstagmorgen von Splittern getroffen worden und in Brand geraten. Das Containerschiff „Source Blessing“ fuhr unter liberischer Flagge und war an die dänische Reederei Maersk untervermietet. Maersk bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass die „Source Blessing“ am frühen Donnerstagmorgen Ortszeit in „einen Vorfall im Persischen Golf verwickelt“ gewesen sei. Woher die Splitter kamen, konnte eine Sprecherin von Hapag-Lloyd nicht sagen. Man wisse nicht, ob es sich um eine Rakete, eine Drohne oder ein anderes Geschoss gehandelt habe. Hapag-Lloyd hatte nach Beginn des Konflikts angekündigt, ihren Schiffsverkehr in der Straße von Hormus vorerst einzustellen.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird vom iranischen Militär kontrolliert. Der Iran kündigte an, keine Öllieferungen mehr durch die Straße von Hormus zuzulassen, die den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten zugutekommen.
Ölreserven wegen Iran freigegeben
Die Ölpreise stiegen am Donnerstag zunächst an, obwohl die USA, Deutschland und andere Staaten am Mittwoch 400 Millionen Barrel Öl aus ihren Notfallreserven freigegeben hatten. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte, der Krieg im Nahen Osten habe „die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“ verursacht. Die weltweiten Ölvorräte werden laut dem Monatsbericht der Internationalen IEA vom Donnerstag voraussichtlich um acht Millionen Barrel pro Tag einbrechen.
Das iranische Militär erklärte laut iranischen Staatsmedien, Angriffe auf israelische Militärbasen und Sicherheitsdienste durchgeführt zu haben.
Mehrere Länder des Persischen Golfs meldeten, Angriffe abgefangen zu haben. Katar gab bekannt, einen Raketenangriff gestoppt zu haben. Saudi-Arabien teilte mit, zwei Drohnen zerstört zu haben, die auf das riesige Ölfeld Shaybah des Königreichs zusteuerten.
Die amerikanischen Streitkräfte operieren unter schwierigen Bedingungen. Die militärische Führung des Central Command gab Donnerstagnacht bekannt, dass ein US-amerikanisches KC-135-Tankflugzeug im Irak abgestürzt ist. In einer Erklärung teilte das Zentralkommando mit, dass sich ein Vorfall mit zwei Flugzeugen „im eigenen Luftraum“ ereignet habe. Ein Flugzeug sei abgestürzt, das andere habe sicher gelandet. Der Vorfall sei weder durch feindlichen noch durch Eigenbeschuss verursacht worden.
Iran zerstört Radar in Negev-Wüste
Der Iran – unterstützt von Russland und China – scheint sich vor allem darauf zu konzentrieren, die US-Radar- und Frühwarnsysteme zu zerstören. Iranische Medien behaupten laut der Rüstungswebsite Defense Network, dass Drohnenangriffe auf die von den USA betriebene Radarstation Site 512 in der israelischen Negev-Wüste gerichtet waren, um das US-Radarsystem AN/TPY-2 zu zerstören. Das System dient dazu, den Abschuss iranischer ballistischer Raketen zu erkennen und Israel frühzeitig zu warnen. Das US-Radar ist in der Anlage 512 auf dem Berg Keren in der israelischen Wüste Negev stationiert. Dieses X-Band-Radar werde von der 1st Space Brigade der US-Armee betrieben und diene der Frühwarnung vor ballistischen Raketen. Es fungiert als wichtiger Langstreckensensor, der häufig in Terminal High Altitude Area Defense (THAAD)-Luftabwehrsystemen integriert ist.
Pentagon muss THAAD aus Südkorea abziehen
Das Pentagon hat damit begonnen, Teile des Raketenabwehrsystems THAAD von Südkorea in den Nahen Osten zu verlegen. Die Regierung Südkoreas bestätigte und kritisierte die Verlegung am Mittwoch, weil dadurch der Schutz Südkoreas schwächer werde. Ein chinesischer Militärexperte erklärte in der staatlichen chinesischen Global Times, dieser Schritt zeige, dass das zuvor im Nahen Osten stationierte System so ineffektiv geworden sei, dass es aus der anderen Region verlegt werden müsse. Diese Anlagen reichten nicht aus, um US-Basen ausreichend zu sichern, geschweige denn die Verbündeten zu verteidigen.
Russland unterstützt Iran bei Aufklärung
Der Erfolg des Iran in der Abwehr des amerikanisch-israelischen Angriffs ist nicht zuletzt auf die Unterstützung Russlands bei der Aufklärung zurückzuführen. Laut dem in Katar ansässigen Sender Al Jazeera ermöglicht Russlands Geheimdienstnetzwerk dem Iran, US-amerikanische und israelische Anlagen mit einer Präzision zu lokalisieren, die Teheran allein nicht erreichen könnte. Der Iran betreibe nämlich „lediglich eine begrenzte Konstellation militärischer Aufklärungssatelliten – völlig unzureichend, um schnell bewegliche Marineeinheiten auf offener See zu verfolgen“.
Russland habe diese Einschränkung nicht. Sein hoch entwickeltes Überwachungsnetzwerk, darunter der Satellit Kanopus-V – nach der Übernahme in den iranischen Einsatz in „Khayyam“ umbenannt –, liefere Teheran rund um die Uhr optische und Radarbilder. Für den Iran sei dies mehr als nur eine Ergänzung seiner militärischen Fähigkeiten: „Es ist das Nervensystem seiner Präzisionsschlagdoktrin“, schreibt der Analyst Jasim Al-Azzawi. Russland hat offiziell nie bestätigt, den Iran bei der Aufklärung zu unterstützen. Zuletzt hatte der Abgesandte von Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, gesagt, er habe die Russen gebeten, keine Daten an den Iran zu übermitteln.
Der britische Verteidigungsminister John Healey erklärte am Donnerstag, die „verborgene Hand“ von Russlands Präsident Wladimir Putin sei bei Taktik und Ergebnissen zu erkennen. Healey sagte, Teheran habe offenbar aus Russlands Erfahrungen in der Ukraine taktische Lehren über den Nutzen von Drohneneinsätzen in geringer Höhe gezogen. Dies stelle eine „eindeutige Verbindung“ zwischen Russland und dem Iran im Golfkrieg dar.
