Der Ölpreis reagiert auf die Eskalation im Nahen Osten – und deutsche Autofahrer spüren das bereits an der Zapfsäule. Seit Freitag sind Super E10 und Diesel um mehrere Cent teurer geworden.
Der Ölpreissprung um rund zehn Prozent sei „nicht überraschend“ gewesen, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Entscheidend sei jetzt die Lage an der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft.
Auffällig sei eher, so Fritsch, dass die Reaktion nicht noch stärker ausgefallen ist. „Wegen der Unterbrechung der Öltransporte durch die Straße von Hormus wäre eigentlich ein noch stärkerer Anstieg zu erwarten gewesen.“ Der Markt setze offenbar darauf, dass der Schiffsverkehr nur kurz beeinträchtigt ist.

Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Flaschenhälse des Welthandels. Laut Medienberichten passieren dort rund 20 Millionen Barrel pro Tag, etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs. Über Hormus läuft zudem ein großer Teil des weltweiten Flüssiggas-Handels. Deutschland deckt seit dem Verzicht auf russisches Gas einen Teil seines Bedarfs über LNG, unter anderem aus Katar.
Deutschland ist, so Fritsch, nur begrenzt betroffen: „Deutschland bezieht kaum Öl aus dem Nahen Osten.“ Der Effekt komme indirekt über den Weltmarktpreis. Öl wird global gehandelt, Lieferausfälle oder Risiken an zentralen Routen verteuern den Preis für alle. Selbst wenn kein Tanker für Deutschland blockiert wird, kann der Preis hierzulande steigen, weil der Referenzpreis (Brent) hochgeht.
Das bestätigt auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x). Die geopolitische Lage habe „zu einem weltweiten Anstieg der Preise für Mineralölprodukte geführt“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Die Märkte für Benzin, Diesel, Heizöl und Flugkraftstoff in Deutschland seien jedoch „weiterhin intakt“. Der Verband betont zudem: „Die Versorgung Deutschlands ist gesichert, da wir Rohöl aus rund 30 Ländern beziehen.“
Zu den wichtigsten Lieferanten zählen Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien. Unter den wichtigsten Herkunftsländern ist lediglich der Irak ein Nahost-Staat. Trotz der angespannten Lage herrsche „harter Preiswettbewerb an den deutschen Tankstellen um jede Kundin und jeden Kunden“, so en2x weiter. Das dämpfe kurzfristige Preisspitzen, könne aber den globalen Trend nicht aushebeln.
ADAC: Spritpreise ziehen bereits an
Dass sich der Preis zügig an den Tankstellen niederschlägt, zeigt eine aktuelle Auswertung des ADAC. Demnach lag der bundesweite Durchschnitt (jeweils 10.30 Uhr) bei Super E10 am Freitag bei 1,780 Euro, am Sonntag bei 1,791 Euro und am Montag bereits bei 1,830 Euro pro Liter. Das entspricht einem Anstieg von fünf Cent pro Liter in drei Tagen.
Diesel lag am Freitag bei 1,749 Euro, am Sonntag bei 1,758 Euro und am Montag schließlich bei 1,801 Euro pro Liter. Das ist ein Plus von gut fünf Cent pro Liter seit Freitag – und sogar über vier Cent allein von Sonntag auf Montag. „Der Brent-Ölpreis ist der zentrale Faktor für Veränderungen der Kraftstoffpreise in Deutschland“, so die Sprecherin des ADAC. Klettert der Ölpreis, lasse sich das „in der Regel auch recht zeitnah“ an der Zapfsäule ablesen.


