Der Krieg im Iran und die sich auf die Golfstaaten ausweitenden Kampfhandlungen stellen viele Länder vor die grundsätzliche Frage, wie sie ihre Energieversorgung sicherstellen sollen. Mehrere asiatische Staaten haben Krisenstäbe eingerichtet für den Fall, dass die Straße von Hormus geschlossen wird. Öl- und LNG-Tanker warteten am Montag an der Mündung der schmalen Wasserstraße zum Persischen Golf, durch die ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen fließt. Zwar wurde die Straße von Hormus noch nicht offiziell gesperrt, doch ist der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Am Sonntag wurden mehrere Schiffe angegriffen, darunter ein von Saudi Aramco gecharterter Tanker mit 500.000 Barrel Benzin an Bord. Der dänische Reeder Norden stellte am Montag seine gesamte Schifffahrt durch die Straße von Hormus ein, wie Reuters unter Berufung auf eine Erklärung von Norden berichtete. Das Unternehmen transportiert Trocken- und Flüssiggüter und verfügt über eine Flotte von rund 500 Schiffen. Auch die Versicherungsbranche reagiert: Zahlreiche Versicherungen haben die Verträge mit Reedern gekündigt. Laut Bloomberg wollen so gut wie alle Versicherer für eine Durchfahrt durch die Straße von Hormus ab Donnerstag keine Haftung mehr übernehmen.
Der Ölpreis stieg am Montagmorgen zeitweise auf über 80 Dollar pro Barrel. Analysten halten Preise von über 100 Dollar pro Barrel im Fall eines längeren Konflikts für denkbar. In Deutschland schossen an den Tankstellen bereits die Preise nach oben, vielerorts bildeten sich Schlangen, weil Verbraucher weiter steigende Preise befürchten. Analysten erwarten, dass die Folgen des Krieges vor allem die Konsumenten weltweit treffen dürften. Die Haushalte würden sich wegen steigender Energiepreise an anderer Stelle einschränken müssen. Dies könnte Einfluss auf das weltweit ohnehin eher schwache Wirtschaftswachstum und damit mittelfristig auch auf die Beschäftigung in den Unternehmen haben.

Entscheidend für die Prognose ist, ob der Krieg, ähnlich wie die Intervention der USA gegen Venezuela, schnell beendet werden kann. Laut Bloomberg besteht „die Befürchtung, dass die Lieferungen einiger der größten Energieexporteure der Welt durch einen langwierigen Krieg beeinträchtigt werden könnten“. Neben der Straße von Hormus richtet sich der Blick vor allem auf militärische Angriffe gegen Öl- und Gasunternehmen.
Nach einem Drohnenangriff hat Aramco den Betrieb der größten Raffinerie Saudi-Arabiens an der Küste des Persischen Golfs eingestellt. Aramco schaltete die Anlage in Ras Tanura, einen wichtigen Diesellieferanten mit einer Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag, am Montag vorsorglich ab, um die Schäden zu begutachten, berichtet Bloomberg. Der Preis für Brent-Rohöl stieg am Montag im frühen Handel um bis zu 13 Prozent. Später fiel der Preis wieder auf 8,5 Prozent zurück, was immer noch den größten Tagesanstieg seit fast drei Jahren darstellte.
Auch Flüssigerdgas (LNG) ist betroffen: QatarEnergy stellte am Montag die Produktion von LNG wegen Angriffen auf seinen Komplex in Ras Laffan vorübergehend ein, wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilte. QatarEnergy ist einer der weltweit größten LNG-Produzenten. Der Komplex in Ras Laffan ist ein wichtiger Knotenpunkt für Katars Energieexporte. Der Produktionsstopp könnte erhebliche Folgen für die globale LNG-Versorgung haben. Laut Daten der Londoner ICE hat der Gaspreis an der europäischen Börse wegen des Produktionsstopps von Katar erstmals seit Februar 2025 die Marke von 550 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter überstiegen. Der Produktionsstopp führte zu einem Anstieg der europäischen Gaspreise um mehr als 50 Prozent und sorgte für Nervosität an den globalen Energiemärkten.
Der Grund laut Financial Times (FT): Eine Unterbrechung der Flüssigerdgasexporte aus Katar wäre folgenschwer. Katar ist einer der weltweit größten Produzenten und ein wichtiger Lieferant für China, das für rund ein Viertel seines LNG-Bedarfs auf den Golfstaat angewiesen ist. Globale Energiekäufer, darunter große asiatische und europäische Importeure, die langfristige Verträge mit QatarEnergy abgeschlossen haben, sehen sich nun mit einer beispiellosen Versorgungslücke konfrontiert, die sich auf die Märkte und die Energiesicherheitsplanung auswirken könnte.
Die Entwicklung hat auch Auswirkungen auf das Börsengeschehen. Die Aktienkurse in Europa und Asien fielen am Montag zu Handelsbeginn. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lag gegen Mittag mehr als zwei Prozent im Minus. Der Kurs des Dollars und der Goldkurs stiegen. Zuletzt mussten für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) fast 5400 Dollar bezahlt werden – das Rekordhoch von fast 5600 Dollar Ende Januar rückt damit wieder näher. Auch der Silberpreis legte zu. Bitcoin konnte sich vom Absturz der vergangenen Wochen noch nicht nachhaltig erholen, sackte jedoch am Montag zunächst nicht weiter ab.
Besonders stark gaben die Aktienkurse von Fluggesellschaften nach – sie mussten wegen der Krise in Nahost Flüge in die Region vorerst komplett streichen. Wichtige Luftfahrt-Drehkreuze wie Dubai sind betroffen, weil die Lufträume großflächig geschlossen sind. Die Kurse von Ölkonzernen wie Total oder PetroChina stiegen hingegen.
Auch deutsche Reedereien sind direkt von dem Krieg betroffen. Mindestens 25 Schiffe deutscher Reedereien befinden sich derzeit in den Gewässern des persischen Golfs und damit in dem oder in unmittelbarer Nähe zum Kriegsgebiet, wie der Verband Deutscher Reeder mitteilte. „Darunter sind zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen etwa 7000 Passagieren an Bord, die die Region durch die Straße von Hormus aus Sicherheitsgründen derzeit nicht verlassen können.“
