Mitten in Zeiten einer steigenden Staatsverschuldung steht der Bundesregierung weniger Geld aus einzelnen Steuern zur Verfügung. Laut dem neuen Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums (BMF) sind die Einnahmen des Bundes aus der Körperschaftsteuer – der Steuer auf das Einkommen von juristischen Personen wie Kapitalgesellschaften – im Januar 2026 im Vergleich zum Vorjahr um ganze 79 Prozent auf 181 Millionen Euro zurückgegangen.
Grund für die geringeren Körperschaftsteuereinnahmen ist laut BMF, dass die Nachzahlungen gegenüber Januar 2025 deutlich rückläufig waren, wohingegen sich die Erstattungen etwas erhöhten. Zudem spiele „auch die schwache konjunkturelle Entwicklung insbesondere in der Industrie weiterhin eine Rolle“. Heißt im Klartext: Die Unternehmen erzielen angesichts der deutschen Wirtschaftskrise weniger Gewinne – entsprechend hat der Bund an dieser Stelle weniger Steuereinnahmen. Droht der Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) jetzt eine neue Haushaltskrise? Die Berliner Zeitung hat bei Experten nachgefragt.
Weniger Steuern für Merz? Expertin mahnt zur Vorsicht
Die Ökonomin Kristina van Deuverden mahnt zur Vorsicht bei schnellen Schlüssen. „Aus einem Januar- oder auch Februarwert eine Trendwende oder Ähnliches ableiten zu wollen, das macht man nicht“, sagt die Wissenschaftlerin und Vorstandsmitglied beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Anfrage der Berliner Zeitung. Die großen Steuermonate seien März, Juni, September und Dezember, wenn Unternehmen Vorauszahlungen leisten. In Zwischenmonaten wie dem Januar flössen dagegen vor allem Nachzahlungen für zurückliegende Jahre sowie Erstattungen.
Die aktuell verbuchten Zahlungen beträfen im Wesentlichen die Jahre 2024, 2023 und teilweise 2022 – also Perioden, in denen bereits relativ viel gezahlt worden sei. „Der Januar bildet die Vergangenheit ab. Das ist nicht das, was für das Jahr 2026 zu erwarten ist.“ Deshalb würde sie „ein Januarergebnis auf keinen Fall überinterpretieren“. Man müsse die neuen Konjunkturprognosen der Institute und der Bundesregierung abwarten. Erst danach lasse sich die Körperschaftsteuer seriös schätzen.
Zwar räumt sie ein, dass eine deutlich schwächere Entwicklung „natürlich immer ein Problem für die Finanzplanungen von Bund und Ländern“ wäre, die jeweils zur Hälfte an der Steuer beteiligt sind. Ob die Unternehmensgewinne tatsächlich so stark unter Druck stünden, werde sich jedoch erst in den kommenden Prognosen zeigen. Zuletzt seien die Anzeichen „nicht so ganz negativ“ gewesen, etwa bei Produktion und Auftragseingängen. Zudem könnte sich das Sondervermögen der Merz-Regierung stützend auswirken, so van Deuverden.

Ökonom warnt: „Keine Besserung der Lage in Sicht“
Deutlich kritischer bewertet der Ökonom Gunther Schnabl die Lage. „Die Lohnstückkosten der deutschen Wirtschaft sind stark angestiegen, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit untergraben hat“, sagt der Direktor des Flossbach von Storch Research Institute. Hohe Steuer- und Abgabenlasten sowie weitreichende Regulierungen hätten die Konjunktur geschwächt, hinzu kämen Zölle aus den USA und eine schwächere Nachfrage aus China und Europa.
„In einer solchen Lage ist es nicht überraschend, dass die Ertragskraft deutscher Unternehmen zurückgeht“, zumal der geldpolitische Rückenwind der Europäischen Zentralbank (EZB) fehle. Ohne Reformen sei „keine Besserung der Lage in Sicht“, weshalb Bund, Länder und Kommunen nicht mit steigenden Einnahmen rechnen könnten. Die Lage könne sich „weiter verschlechtern“, wenn eine anhaltend schwache Konjunktur die Arbeitslosigkeit steigen lasse und damit auch die Einkommensteuern unter Druck gerieten.
Für die öffentlichen Finanzen sieht Schnabl grundsätzliche Probleme. „Deutschland hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem.“ Seit 2008 seien die Einnahmen von Fiskus und Sozialkassen stark gestiegen, die Ausgaben jedoch noch stärker. Mit einer dauerhaften wirtschaftlichen Flaute werde sich „das strukturelle Haushaltsproblem Deutschlands noch vergrößern“. Der Staatskonsum verdränge die Investitionen der Unternehmen als Wachstumsmotor, die Situation erinnere „stark an Japan“, wo selbst eine Staatsverschuldung von 235 Prozent des Bruttoinlandsprodukts keine nachhaltige Besserung gebracht habe.



