Der März steht vor der Tür, das Thermometer zeigt zehn Grad an. Nieselregen fällt unerbittlich. Und die Berliner am Rosenthaler Platz im beigen Trenchcoat tun so, als würden sie durch einen Nouvelle-Vague-Film schlendern – oder am Hermannplatz in einem khakigrünen, regengetränkten Armeeparka mit einem Hafermilch-Latte in der Hand.
Damit ist jetzt Schluss! Wir benötigen eine Übergangsjacke, die schön ist und funktional – wie ein Schweizer Taschenmesser, und zwar in Signalfarbe. Die Frage, die sich stellt, ist folgende: Was macht eine gute Übergangsjacke aus? Nicht rein theoretisch, sondern explizit für diese Stadt und dieses Wetter. Für diese typische Berliner Mischung aus Baustellendreck, März-Schneeregen und bröselnder Bürgersteigkante.
Derzeit sieht man hauptsächlich drei Typen an Übergangsjacken und ihre Träger. Erstens: Gen‑Zler, die die Armyjacke für sich entdecken, weil sie so gut zu Skinny Jeans passt. Zweitens: Millennials im beigen Trenchcoat, hinten noch fein säuberlich mit Heftstich verschlossen, weil niemand ihnen gesagt hat, dass man den vor dem ersten Tragen auftrennt. Drittens: Gen-Xler in Funktionsjacke, die man übersieht, weil sie für ihre Expedition ins Internet Schwarz oder Grau gewählt haben.
Alle drei Jacken funktionieren heute so nicht mehr. Warum? Der Armyparka war einst die Jacke der Friedensbewegung, der Studierenden, der moralisch Überlegenen mit Jutebeutel. Heute ist er wieder da, als modisches Zitat. Aber bei Dauerregen und Krieg in Europa ist er auf ganz dünnem Eis unterwegs.

Der Trenchcoat gilt als das ewige Investment-Piece. Nur leider sieht man ihm das Investment höchstens in den ersten paar Wochen an. Dann bekommt er abgegrubbelte Kanten, einen speckigen Kragen, und sein müder Beige-Ton, der an Milchkaffee aus der Kanne erinnert, macht aus nobler Blässe fahle Haut.
Funktionales goes Laufsteg
Und zu guter Letzt: die Funktionsjacke. Sie hat einen schlechten Ruf, aber eigentlich wartet sie nur darauf, von der High Fashion entdeckt zu werden. Man muss nur genau hinschauen. Nicht in den Concept-Stores, sondern auf der Straße. Die Menschen, die wirklich für Übergangsjahreszeiten gewappnet sind, das sind die, die bei Wind und Wetter arbeiten: BSR, BVG, Fensterputzer, Gerüstbauer. Menschen, die bei acht Grad und Nieselregen draußen stehen, ohne Murren, und die man nie übersieht, weil ihre Warnwesten leuchten.
Sie tragen Jacken, die funktionieren: reflektierend, wasserabweisend, robust. Engelbert Strauss statt Erbstück. Dieses knallige Orange oder Neongelb, dieser kompromisslose Pragmatismus, der nicht fragt, ob er gefällt. Es sagt: Ich bin hier, weil ich arbeite. Das ist das Beige des Proletariats.

Diese Funktionsjacken nämlich passen, wenn man sich traut, erstaunlich gut zu allem (zu Jeans, zur Wollhose, sogar zu einem eleganten Schuh) und sind gerade an dem Punkt der Hässlichkeit, an dem Designer hellhörig werden. Die Theorie vom „Ugly Chic“ kennen Sie ja bereits: Immer dann, wenn wir etwas als maximal unschön empfinden, ist seine Zeit für den Laufsteg gekommen.

Workwear-inspirierte Übergangsjacken sind kein Ironie-Statement, sondern eines für die Stadt und für die heimlichen Helden, die sie am Laufen halten. Und sie hält warm, ohne dass man darunter zu einer eigenen Klimazone wird.

Wer es luxuriöser möchte, findet bei Designern inzwischen die gezähmte Variante. Workwear, aber mit Schnitt. Baumwolle, die atmet. Materialien, die nicht nach zwanzig Minuten wie eine Plastiktüte rascheln. Und die Farbe: BSR-Orange.


