Nachwuchs-Fußball

Mitspieler gesucht: Russlands Rückkehr spaltet Europas Fußball

Europas Fußball droht wegen der Rückkehr Russlands eine Spaltung. Zahlreiche Verbände haben einen Boykott angedroht, der DFB hüllt sich in Schweigen. Noch.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin setzt sich für die Rückkehr russischer Nachwuchsteams in den internationalen Spielbetrieb ein.
Uefa-Präsident Aleksander Ceferin setzt sich für die Rückkehr russischer Nachwuchsteams in den internationalen Spielbetrieb ein.Sportimage/Imago

Ein klares „No“ aus England, ein „Nej“ aus Dänemark, aber auch ein „Si“ aus Italien: Die angekündigte Rückkehr Russlands spaltet schon nach wenigen Tagen den europäischen Fußball. Während mehrere Verbände keinesfalls gegen russische Nationalteams antreten wollen, unterstützen andere Länder die „Friedensinitiative“ von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Und der DFB? Hüllt sich in Schweigen. Noch.

Denn die Frage könnte schnell akut werden: Die deutschen U17-Junioren starten schon Mitte Oktober in die Qualifikation zur EM 2024. Weil Russlands U17 noch nachträglich in die Qualifikation eingegliedert werden soll, wäre ein Duell schon in wenigen Wochen möglich – aber auch höchst unwahrscheinlich, weil in der deutschen Vierergruppe auch die Ukraine vertreten ist.

Ukraine, England, Dänemark, Schweden und Polen für Boykott

Und die, das wurde nach dem Uefa-Entscheid schnell klar, würde erst gar nicht zu dem Mini-Turnier in Liechtenstein anreisen. Die Ukraine werde „an keinem Wettbewerb mit russischen Teams teilnehmen“, hieß es in einer Erklärung der Verbandes UAF, die Uefa-Entscheidung sei „entschieden zu verurteilen“. Zugleich rief die Ukraine andere Uefa-Mitglieder dazu auf, sich dem Boykott anzuschließen.

Mit ersten Erfolgen: Die Verbände aus England, Dänemark, Schweden und Polen kündigten an, dass ihre Mannschaften nicht gegen russische Teams antreten würden. „Ich war von der Erklärung des Uefa-Exekutivkomitees überrascht. Wenn russische Nationalmannschaften am Wettbewerb teilnehmen dürfen, werden unsere Nationalmannschaften nicht mit ihnen konkurrieren“, sagte etwa der polnische Verbandschef Cezary Kulesza.

Italiens Fußballverband hingegen verwies auf AFP-Anfrage auf die Position der Uefa. Deren Boss Ceferin hatte die Rückkehr russischer Nachwuchsteams damit begründet, Jugendliche dürften „nicht für Handlungen bestraft werden, für die ausschließlich Erwachsene verantwortlich sind“. Für Russlands A-Teams bleibe der Ausschluss dagegen bestehen.

Italiens Uefa-Kurs kommt nicht unerwartet – Verbandspräsident Gabriele Gravina gehört dem Uefa-Exekutivkomitee an, das die russische Rückkehr als „Botschaft des Friedens und der Hoffnung“ beschloss. In dem Gremium sitzen auch Hans-Joachim Watzke und Karl-Heinz Rummenigge. Ein Zeichen für ein deutsches Ja? Andererseits gehört auch der Engländer David Gill dem Komitee an, dennoch machte die FA öffentlich klar, nicht gegen Russland spielen zu wollen. Offenbar hat es bei der Abstimmung auch Enthaltungen gegeben.

Noch können fast alle Verbände auf Zeit spielen, doch schon bald werden Fakten geschaffen: Auch die Qualifikation zur U17-EM der Frauen startet im Oktober. In Kürze also stehen russische Teams wieder auf dem Rasen - wenn auch ohne Landesflagge, Hymne und Verbands-Trikot. Und, wer weiß, vielleicht auch ohne Gegner.