Das 1:1 bei Eintracht Braunschweig fühlte sich für Hertha BSC eher wie zwei verlorene Punkte an. Und doch nahm Trainer Stefan Leitl aus dem Auswärtsspiel mehr mit als ein bloßes Remis. Gewinner des Abends war ausgerechnet ein Spieler, der lange im Schatten stand: Luca Schuler.
Leitl lobt Schuler
Der 27‑Jährige durfte von Beginn an ran – und enttäuschte nicht. Im Gegenteil: Leitl adelte den Stürmer nach der Partie öffentlich. „Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit Lucas Entwicklung und ich hoffe, dass er in den letzten Spielen so weitermacht und das eine oder andere Tor schießt“, sagte der Hertha‑Trainer. Worte, die man so deutlich zuletzt selten gehört hatte.
Denn eigentlich galt Konkurrent Dawid Kownacki bisher als gesetzt. Der polnische Angreifer war unter Leitl Stammspieler – bis ihn eine Knöchelverletzung ausbremste. In Braunschweig nahm er zunächst auf der Bank Platz. Dass Schuler dafür in die Startelf rückte, war jedoch keineswegs nur der Verletzung geschuldet.
Leitl ließ keinen Zweifel: „Das war rein aus Leistungsgründen. Luca hat sich das verdient.“ Der Coach setzte bewusst auf Geschwindigkeit im Umschaltspiel. „Unser Plan war, tiefer zu stehen und dann schnell nach vorne zu spielen. Mit Schuler, Fabi Reese und Marten Winkler haben wir einfach Topspeed.“
Schuler holte für Hertha den Elfmeter heraus
Gerade Schuler brachte genau das ein. Der 1,90‑Meter‑Stürmer ist schneller als Kownacki – und stellte das früh unter Beweis. In der ersten Halbzeit entwischte er der Braunschweiger Defensive, Torhüter Ron‑Thorben Hoffmann wusste sich nur mit einem Foul zu helfen. Elfmeter, 1:0 für Hertha.
Kurz darauf hätte Schuler sogar nachlegen können. Ein Pfostentreffer verhinderte das 2:0. „Das war ein super Dribbling, ein super Laufweg“, lobte Leitl – mit einem kleinen Zusatz: „Ich hätte mich gefreut, wenn er keinen Pfosten oder Latte getroffen hätte.“
Es war sinnbildlich für Schulers Auftritt: viel Einsatz, hohes Tempo, noch nicht immer die letzte Kaltschnäuzigkeit. Acht Saisontore stehen bislang zu Buche. Es könnten mehr sein – doch seine Entwicklung ist sichtbar. Und sie verändert die interne Hackordnung.
Wie geht es mit Kownacki weiter?
Im Sturmduell hat Schuler Sebastian Grönning längst hinter sich gelassen. Nun gerät auch Kownacki zunehmend unter Druck. Für den Leihspieler von Werder Bremen ist die Zukunft offen. Verletzungen warfen ihn in der Hinrunde zurück, nur fünf Tore in 20 Ligaspielen sind eine magere Bilanz. Die Kaufpflicht ist nach dem verpassten Aufstieg erloschen, ob Hertha dennoch zugreift, ist unklar.


