Bundesliga

1. FC Union Berlin: Steffen Baumgart sucht das Ende einer zehnjährigen Misere

Mit einem Sieg beim Tabellenletzten könnte Union den Klassenerhalt so gut wie sicherstellen. Blöd nur, dass es dich dabei um den Angstgegner handelt.

Union-Trainer Steffen Baumgart hat eine Mission: Die negative Serie gegen den 1. FC Heidenheim soll ein Ende finden.
Union-Trainer Steffen Baumgart hat eine Mission: Die negative Serie gegen den 1. FC Heidenheim soll ein Ende finden.Michael Taeger/imago

Es könnte so einfach sein. Der Klassenerhalt in der Bundesliga ist für den 1. FC Union Berlin zum Greifen nahe. Die Eisernen haben 32 Punkte, mit einem Sieg beim 1. FC Heidenheim am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) wären es sogar 35 Punkte. Den bisher letzten Absteiger mit dieser Ausbeute gab es vor mehr als 20 Jahren; der VfL Bochum beendete die Saison 2004/05 auf dem 16. Platz und musste im Folgejahr eine Etage tiefer Fußball spielen. Seit der Wiedereinführung der Relegation vier Jahre später reichten also 35 Punkte stets zum Verbleib in der Bundesliga aus.

Union muss zum Angstgegner

Um diese Schwelle nun selbst zu überschreiten, reist der 1. FC Union Berlin nun nach Heidenheim – zum Tabellenletzten. Genauer: Zum abgeschlagenen Tabellenletzten, bei dem kaum noch jemand den Glauben zu erkennen vermag, dass an der Position noch irgendetwas zu ändern sein könnte. Ein einfaches Los also für Union, oder?

Nun, das wäre es wohl für jedes andere Bundesligateam. Für Union hingegen könnte die Aufgabe kaum schwerer sein. Die eigene Bilanz gegen den FCH liest sich für die Eisernen wie ein Stephen-King-Roman: erschreckend, gruselig, schockierend. Von bisher 17 Duellen gewann Union nur vier, gleich zehnmal verlor der Verein aus Köpenick, bei drei Unentschieden. Einen der vier Siege errang Union 2022 im DFB-Pokal, der bisher letzte Sieg in der Liga, in diesem Fall der 2. Bundesliga, gegen Heidenheim datiert vom 17.04.2016. Fast auf den Tag genau, um eine Woche daneben, liegt dieser bisher letzte Ligasieg für Union gegen Heidenheim also zehn Jahre zurück.

Sind diese zehn Jahre nicht ein geeigneter Zeitrahmen, um diese Misere zu beenden? „Es ist immer der richtige Zeitraum. Wir haben an jedem Wochenende die Chance, ein Spiel zu gewinnen und ich finde, es ist dann immer der richtige Zeitraum, eine positive Serie weiterzuführen oder die negative Serie zu beenden. Darum geht’s und das ist das Ziel“, sagt Trainer Steffen Baumgart, der die Statistiken seiner Mannschaft natürlich kennt, am Donnerstagnachmittag auf der Pressekonferenz vor dem kommenden Auswärtsspiel.

Und wie soll dieser Triumph endlich gelingen? „Dazu braucht man eine Top-Leistung über 96, 97 Minuten. Heidenheim schafft es immer wieder, egal gegen wen, gewisse Momente zu haben. Und wenn du die nicht überstehst, dann wird es schwer. Wir fahren da aber hin, um ein erfolgreiches Ergebnis zu landen und die drei Punkte zu holen“, erklärt der Coach.

Dabei dürfte er hoffen, dass Andrej Ilic seine Treffsicherheit nun freigeschaltet hat. Schließlich schoss der Serbe in der vergangenen Woche sein zweites Saisontor und erhielt im Anschluss ein großes Lob seines Trainers. „Andrej ist ein sehr fleißiger und wichtiger Spieler“, sagte der nach dem 1:1 gegen den FC St. Pauli. Auch am Donnerstag hob Baumgart hervor, dass Ilic seinem Team nicht nur über Tore helfe.

Burke oder Burcu?

Neben Ilic könnte erneut Oliver Burke auflaufen, dessen Zusammenspiel mit Ilic von Baumgart gelobt worden war und der in der Vorwoche mit einer Geschwindigkeit von 37 km/h gemessen wurde – dem zweitschnellsten Tempo eines Spielers in der Bundesliga, seit diese Daten gemessen werden. Eine sinnvolle Alternative stellt allerdings Livan Burcu dar. Wohl kein Profi im Kader der Unioner vermag es, so wie er aus engen Räumen, die gegen tiefstehende Heidenheimer zu erwarten sind, Gefahr und Chancen für sein Team zu kreieren.

Kommt es dem Trainer gegen kompakte Heidenheimer eher auf Tempo oder Ballfertigkeit an? „Wir werden auch in Heidenheim Räume bekommen, wir werden aber auch die Möglichkeit haben, aus engen Räumen die eine oder andere Torchance zu erarbeiten. Fakt ist, dass wir den Weg zum Tor finden müssen“, prognostiziert Baumgart. Daher erklärt er: „Beides ist möglich: ein Spieler, der im Dribbling stark ist, und auch der wird es schwer haben, sich durchzusetzen, oder ein Spieler, der körperlich und über Geschwindigkeit kommt.“

Auf einen Einsatz hoffen darf im Übrigen erstmals auch Linus Güther, der am Mittwoch, dem 8. April, seinen 16. Geburtstag gefeiert hat, was bedeutet, dass er nun alt genug ist, um bei den Profis mitspielen zu dürfen, bei denen er ohnehin längst mittrainierte. Ob nun jedoch ausgerechnet beim Angstgegner der richtige Zeitpunkt für sein Bundesligadebüt gekommen ist? Vielleicht eher nicht.

Baumgart bremste auf der Pressekonferenz ohnehin erst einmal: „Mit 16 im Bundesliga-Kader dabei sein zu dürfen, gerade mit den großen Jungs Mittagessen zu gehen, anerkannt zu werden – das hat er sich jetzt schon erarbeitet. Das ist schon ein Riesen-Schritt und ich finde, wir sollten das behutsam machen.“ Trotzdem kündigte der Trainer an: „Wir werden den Jungen nicht aufhalten.“