Wer in der Fußball-Bundesliga den neunten Platz belegt, befindet sich in der Regel im gesicherten Mittelfeld. Er hat noch etwas Tuchfühlung zu den europäischen Plätzen, besitzt aber vor allem einen beruhigenden Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Wenn die Bundesliga am Sonnabend nach der Länderspielpause ihre Saison fortsetzt und damit in die letzten sieben Spieltage startet, dann ist dieser neunte Platz, den der 1. FC Union Berlin derzeit belegt, diesmal einer mit einem ganz anderen Gefühl von sportlicher Sicherheit.
Der Vorsprung des 1. FC Union Berlin könnte schrumpfen
Das lässt sich schnell aus zwei Fakten ablesen: Einerseits beträgt der Abstand zu Rang sechs, dem derzeit letzten fixen Platz für das internationale Geschäft, uneinholbare 15 Punkte. Andererseits beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz lediglich sieben Zähler. Fakt ist auch: Das kann sich für die Eisernen bereits am Sonntag (15.30 Uhr) im Stadion An der Alten Försterei in beide Richtungen dramatisch ändern. Bei einem Sieg gegen den FC St. Pauli würde sich der Vorsprung zum Relegationsplatz auf zehn Punkte vergrößern, bei einer Niederlage könnte er auf vier Zähler schrumpfen.
Angesprochen auf diese Gedankenspiele wollte Steffen Baumgart am Karfreitag auf der obligatorischen Spieltagspressekonferenz weder den Rechenschieber in die Hand nehmen noch in die Glaskugel blicken. „Wir haben jetzt noch sieben Spiele, da sind noch 21 Punkte zu holen. Wir werden nicht alle, aber wollen so viele wie möglich holen“, sagte der Union-Cheftrainer und ergänzte: „Glaskugel ist nicht mein Metier, mein Metier ist, die Mannschaft so gut wie möglich auf den Gegner vorzubereiten. Je besser wir das machen, desto besser wird das Ergebnis sein.“
Im Hinspiel war ihm das mit dem 1:0-Sieg bei den Kiezkickern bestens gelungen. Nun sollen weitere drei Punkte her, um in den nächsten Wochen nicht wieder Fragen zum Kampf gegen den Abstieg und zum Druck auf die Gegner beantworten zu müssen. Die heißen nämlich der Reihe nach 1. FC Heidenheim und VfL Wolfsburg und belegen derzeit die beiden direkten Abstiegsplätze. Fakt ist auch hier: Mit Siegen gegen diese beiden Teams würde der Vorsprung weiter wachsen. Ein Abstieg wäre danach kein Thema mehr. Niederlagen aber würden die Situation schlagartig verändern und die Eisernen in Bedrängnis bringen.
Auf diese Gedankenspiele wollte sich Baumgart ebenfalls nicht einlassen. „Um unser Ziel zu erreichen, musst du den nächsten Schritt machen. Und der nächste Schritt ist Pauli. Da muss ich nicht über Heidenheim oder Wolfsburg nachdenken“, erklärte der 54-Jährige. „Es geht um den Klassenerhalt für beide Mannschaften. Für uns geht’s genauso darum wie für Pauli – unabhängig davon, wie die Tabellensituation ist“, so Baumgart.
Drei Siege würden praktisch den Klassenerhalt bedeuten
Die aber würde sich schlagartig verbessern, wenn der 1. FC Union Berlin am Ostersonntag das Feld als Gewinner verlässt. Und der neunte Platz in der Bundesliga, den die Eisernen damit sehr wahrscheinlich behalten würden, würde dann auch wieder die Sicherheit bringen, die er gewöhnlich mit sich bringt. In dieser Saison gilt zurzeit jedoch die Ausnahme statt der Regel, und das liegt nicht nur am 1. FC Union Berlin, sondern auch an den anderen Vereinen. Fakt ist: Seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/96 hatte nach 27 Spieltagen kein Neuntplatzierter so wenige Punkte auf dem Konto wie die Eisernen.


