Bundesliga

„Keine Angst, nur Vertrauen“: Werder Bremen mit Psychotricks vor Union-Spiel

Werder Bremen greift vor dem Spiel bei Union Berlin tief in die psychologische Trickkiste. Ein Video soll Mut machen – und den Druck nach Köpenick schieben.

Bremer Jubel im Stadion An der Alten Försterei: Vor dem Duell mit dem 1. FC Union Berlin erinnert der SV Werder an das Duell der Vorsaison.
Bremer Jubel im Stadion An der Alten Försterei: Vor dem Duell mit dem 1. FC Union Berlin erinnert der SV Werder an das Duell der Vorsaison.Mathias Renner/City-Press

Ob es nun an der viel beachteten Ansprache eines Capos aus der Ultra-Szene des SV Werder Bremen, an der taktischen Ausrichtung von Trainer Daniel Thioune oder an der Ausgangslage vor dem Spiel gegen den 1. FC Heidenheim oder an einer Mischung aus allen Faktoren lag, ist auch eine Woche nach dem so wichtigen 2:0-Sieg gegen Heidenheim nicht verifizierbar. Und nach zuvor 13 Bundesliga-Spielen ohne Erfolg auch gar nicht wichtiger. Viel bedeutender im Kampf gegen den Abstieg war der Zusammenhalt zwischen Fans und Spielern, das Zeichen, dass man es nur gemeinsam schaffen kann.

Werder Bremen schöpft Hoffnung im Abstiegskampf

Nach Wochen und Monaten, in denen es sportlich nur bergab ging, man sich von Trainer Horst Steffen trennte, um neue Impulse zu setzen, aber selbst die erst einmal nicht die gewünschte Wirkung erzielten, hat sich der SV Werder durch diesen einen Sieg bereits vom 17. auf den 16. Tabellenplatz verbessert und ist bei noch zehn Spieltagen wieder mitten im Rennen um den Klassenerhalt.

Am Sonntag (17.30 Uhr) haben die Bremer beim Gastspiel beim 1. FC Union Berlin nicht nur die Chance – je nach Ausgang der Partien der Konkurrenz – auf einen Nichtabstiegsplatz zu klettern, sondern können die Lage für den Gegner noch einmal verschärfen. Neun Punkte trennten beide Mannschaften noch vor dem vergangenen Wochenende, am späten Sonntagabend könnte der Rückstand bei einem Bremer Sieg auf drei Zähler zu den Eisernen schrumpfen und sich diese wieder mitten im Kampf um den Klassenerhalt befinden. Und das, nachdem sie doch noch vor wenigen Wochen der Abstiegszone entkommen zu sein schienen.

Mit wöchentlich steigendem Druck wird der Kopf immer wichtiger – der Kampf gegen den Abstieg ist auch jede Menge Psychologie. Und da hat der SV Werder Bremen in Ankündigung des Gastspiels in Köpenick mal eben ein kleines Motivationsvideo ausgepackt. „You play at Alte Försterei, aren’t you scared“ wird da auf Englisch gefragt und im Kommentar zum Video direkt geantwortet: „No fear, just faith.“ Kleine Übersetzung an dieser Stelle: „Du spielst in der Alten Försterei, hast du keine Angst? Keine Angst, nur Vertrauen.“

Es folgen ein paar Bewegtbilder aus dem Gastspiel der vergangenen Saison, die beiden Tore von Jens Stage sind zu sehen, dazu jede Menge Zweikämpfe mit Bremer Spielern als Sieger und den Fans im Gästeblock, die ihre Mannschaft unterstützen. Was das Video vom drittletzten Spieltag allerdings nicht zeigt: die beiden Tore des 1. FC Union Berlin. Denn obwohl die Bremer durch die beiden Treffer mit 2:0 in Führung gingen, so stand im Stadion An der Alten Försterei beim Schlusspfiff ein 2:2-Unentschieden auf der Anzeigetafel.

Während die Eisernen schon vor dem Spiel den Klassenerhalt sicher hatten, waren es für die Bremer zwei verpasste Punkte im Kampf um die europäischen Plätze. Rückblickend hätte sie mit diesen zwei Zählern den Einzug in die Europa League gefeiert.

Im Blick nach vorne geht es in dieser Saison nur um den Klassenerhalt. Für die sportliche deutlich veränderte Situation wird von den Fans vor allem Sportchef Clemens Fritz verantwortlich gemacht und in den sozialen Medien auch nach dem so wichtigen Sieg gegen Heidenheim kritisiert – Zusammenhalt hat also offenbar eine Grenze.

Und doch hat das motivierende Video bei so manchem Fan auch die Zuversicht gegen die Eisernen gesteigert, wenngleich die Partie der Vorsaison noch nicht ganz vergessen ist, wie man an diesem Kommentar erkennen kann: „Da haben wir letzte Saison Europa verspielt.“ Die direkte Antwort von einem anderen Werder-Fan liest sich so: „Ja aber aktuell haben wir andere Prioritäten als Europa, ich habe Hoffnung, im Hinspiel gewannen wir 1:0 ...“

Gesamtbilanz spricht für den 1. FC Union Berlin

Und doch spricht die Gesamtstatistik in der Bundesliga für den 1. FC Union Berlin: Sechs von bislang elf Vergleichen konnten die Eisernen gewinnen, vier Partien gewannen die Bremer, das 2:2 der Vorsaison war die bislang einzige Punkteteilung. Nach zuvor drei Niederlagen im Stadion An der Alten Försterei war das aber auch der erste Bremer Punktgewinn seit dem 2:1 am 14. September 2019, als die Unioner aber auch erst das vierte Bundesliga-Spiel ihrer Vereinshistorie absolvierten.

Im nun sechsten Aufeinandertreffen in Köpenick wäre für beide Klubs eine Niederlage ein Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt und würde den Druck weiter erhöhen. Neben der taktischen Ausrichtung und der sportlichen Tagesform wird die Psyche eine wichtige Rolle spielen. Deshalb wird man auch beim 1. FC Union Berlin vor dem Anpfiff sicher noch ein paar positive Erinnerungen an den SV Werder Bremen auspacken.