Nach sportlichen Rückschlägen ist schnell der Ruf nach einer Reaktion zu vernehmen – erst recht, wenn nicht nur die Ergebnisse nicht passten, sondern auch die Leistungen. Beim 1. FC Union Berlin sind die Anhänger an solch einem Punkt so geduldig wie kein anderes Fanlager in der Bundesliga. Wenngleich nach zuletzt zwei Niederlagen auch mal kritische Worte aus der Fanszene zu vernehmen waren.
Beim Blick auf das Spiel gegen den SC Freiburg dürfte das in den kommenden Tagen wieder etwas besser klingen. Die Leistung gegen den Achten der Bundesliga stimmt endlich mal wieder. Und auch das Ergebnis hätte beim Schlusspfiff besser kaum lauten können. Sah es lange Zeit nach einem torlosen Unentschieden aus, setzte Wooyeong Jeong mit seinem Tor zum 1:0 (0:0)-Sieg in der zweiten Minute der Nachspielzeit ein spätes Ausrufezeichen.
Bange Blicke des 1. FC Union Berlin auf die Konkurrenz
Anders als noch in der Vorwoche, bildete diesmal die Sonntags-Partie der Eisernen nicht den Abschluss des Spieltags. Allerdings war das abendliche Duell des VfB Stuttgart gegen RB Leipzig für das Team von Steffen Baumgart nicht sonderlich interessant. Die beiden Klubs aus dem Schwabenland und Sachsen kämpfen in dieser Saison um den Einzug in die Champions League und sind damit in ganz anderen Sphären als die Köpenicker unterwegs.
Im Dunstkreis rund um das Stadion An der Alten Försterei träumte zwar Anfang des Jahres vielleicht so mancher Fan ob der sportlichen Leistungen heimlich von der Teilnahme am europäischen Wettbewerb. Allerdings befand sich das Team nach zuletzt fünf Niederlagen in sieben Spielen kurz vor dem dem kalendarischen Frühlingsbeginn und dem Spiel im Breisgau wieder im Kampf um den Klassenerhalt.
An dieser Stelle muss noch einmal auf die Ansetzung der Partie bei den Freiburgern blicken. Denn: Die Konkurrenten im Abstiegskampf waren bereits vor dem Anstoß am frühen Sonntagabend im Einsatz. Borussia Mönchengladbach hatte da etwa schon den FC St. Pauli geschlagen und war nach Punkten mit den Eisernen gleichgezogen. Die Kiezkicker ihrerseits dadurch weiterhin vier Zähler hinter den Eisernen. Dazwischen holten der Hamburger SV und der 1. FC Köln im direkten Duell (1:1) sowie der VfL Wolfsburg (1:1 in Hoffenheim) einen Punkt.
Unmittelbar vor dem Start der eigenen Partie aber holte der 1. FSV Mainz 05 noch einen 2:0-Sieg beim SV Werder Bremen, lag damit nur noch einen Zähler hinter den Unionern. Steffen Baumgart und der 1. FC Union Berlin bekamen dadurch den Atem von Ex-Trainer Urs Fischer zu spüren. Dies alles auszublenden, macht den Kampf um das Saisonziel nicht einfacher, ist aber notwendig, um sich vom gestiegenen Druck nicht noch zusätzlich lähmen zu lassen. Das war schließlich schon zuletzt bei den Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Werder Bremen geschehen.
Nun also mal wieder ein Duell gegen einen Teilnehmer am europäischen Wettbewerb und die positive Erinnerung an das Duell gegen Bayer 04 Leverkusen, das die Unioner am 23. Spieltag 1:0 gewinnen konnten. Wobei Steffen Baumgart im Vorfeld die Doppelbelastung der Freiburger, die noch am Donnerstag in der Europa League im Einsatz waren, nicht als Vorteil für seine Mannschaft sehen wollte.

Erst einmal musste er auf die Sperren von Leopold Querfeld und Andás Schäfer sowie den verletzungsbedingten Ausfall von Torwart Frederik Rönnow verzichten. Letzterer wurde erwartungsgemäß von Matheo Raab ersetzt, Christopher Trimmel, Livan Burcu und Tim Skarke rotierten ebenfalls in die Mannschaft, die mal nicht mit einer Dreier-, sondern Viererabwehrkette von ihrem Trainer aufs Feld geschickt wurde.
Gerade zu Beginn der Partie aber wirkte das Auftreten der Spieler von Steffen Baumgart keineswegs verunsichert, noch wirkte das Ganze auf dem Feld nicht eingespielt. Im Ballbesitz der Breisgauer wurde bereits früh angelaufen und in der eigenen Hälfte die Räume sehr eng gemacht. Inbesondere durch Khedira, der in letzter Konsequenz aus der Vierer- eine Fünferkette werden ließ.
Genau dort wurde der Vizekapitän nach einer Viertelstunde aber häufiger benötigt. Freiburg verlagerte das Geschehen mit zunehmender Spieldauer rund um den Union-Strafraum und war Mitte der ersten Hälfte bei knapp 70 Prozenz Ballbesitz angelangt. Nennenswerte Torchancen aber gab es auf beiden Seiten des Feldes erst einmal nicht. Und wenn in einem Bundesliga-Spiel in Tagen mit VAR und der Anweisung an die Schiedsrichter, jede Unterbrechung hinten dran zu hängen, ohne Nachspielzeit nach 45 Minuten zur Halbzeit abgepfiffen wird, sagt das auch viel über aufregende Momente auf dem Platz aus.
Trainerteam der Eisernen wünscht sich offensiven Mut
Auf Seiten der Unioner hatte man den Spielern in der Kabine mitgeteilt, dass man mit der defensiven Leistung zufrieden sei, wie Standard-Trainer Sebastian Bönig kurz vor Start der zweiten Hälfte am Mikrofon von Streaming-Anbieter DAZN sagte. Für die eigene Offensive aber wünsche man sich etwas mehr Mut.
Davon aber war auch nach dem Seitenwechsel nicht viel zu sehen. Freiburg hatte weiterhin mehr Ballbesitz, suchte nach Lücken in der Union-Defensive und hoffte auf den einen oder anderen Umschaltmoment. Wenn ein Team etwas mutiger in der Offensive agieren wollte, dann war es das aus Freiburg.
Die verheißungsvollste Chance aber hatte der eingewechselte Alex Kral auf Seiten der Unioner mit einem Schuss aus halbrechter Position im Strafraum. Für Freiburgs Torwart Noah Atubolu aber war das keine wirkliche Bewährungsprobe. Und da die auch für Raab, bei dessen Bundesliga-Premiere im Union-Trikot ausblieb, steuerte die Partie (wie schon im Hinspiel) einem neuerlichen torlosen Unentschieden entgegen.


