Parteitag in Hannover

Zurück zur Schulmedizin: Grüne wollen Homöopathie auf Rezept abschaffen

Ausgerechnet die Partei des eines ökologisch-esoterischen Milieus will nun die Alterativmedizin abschaffen. Ein Treppenwitz der Geschichte.

Sollen, wenn es nach den Grünen geht, keine Kassenleistung mehr sein: homöopathische Mittel.
Sollen, wenn es nach den Grünen geht, keine Kassenleistung mehr sein: homöopathische Mittel.Marijan Murat

Das ist ein klassischer politscher Rollenwechsel mit eindeutig ironischer Note: Auf ihrem Bundesparteitag in Hannover haben Teile von Bündnis90/Die Grünen einen Antrag zur Diskussion gestellt, in dem sie fordern, dass die Krankenkassen homöopathische Behandlungen nicht mehr bezahlen. Darüber streitet die Partei seit Jahren. Es wird auch von zwei „Globuli-Lagern“ gesprochen, die sich offenbar unversöhnlich gegenüberstehen.

Derzeit können die Krankenkassen das in Deutschland noch selbst entscheiden. Die Partei gab an, dass diverse Studien belegen würden, dass Homöopathie nicht über ein Placebo hinauswirkt. Wenn der Nutzen nicht belegt sei, so die Antragssteller, sei eine Erstattung der Mittel nicht zu rechtfertigen.

Partei braucht strategische Neuausrichtung

Sie bezog sich damit auch auf die Solidargemeinschaft, die nur Therapien finanzieren solle, deren Wirksamkeit eindeutig belegt ist. Zudem kritisieren sie, viele Krankenkassen setzten Homöopathie heute vor allem aus Marketinggründen ein, während an anderer Stelle für evidenzbasierte Leistungen Mittel fehlten. Auch der Patientenschutz spielt eine Rolle: Unwirksame oder verzögerte Behandlungen könnten Betroffenen schaden, hieß es aus den Reihen der Befürworter dieses Antrags.

Der Beschluss ist zugleich Teil einer strategischen Neuausrichtung. Die Grünen wollen sich stärker als Wissenschaftspartei profilieren – nicht nur in Klima- und Energiefragen, sondern auch in der Gesundheitspolitik. Mit der Abkehr von der Homöopathie distanziert sich die Partei bewusst von alten Esoterik-Klischees und setzt auf ein modernes, rationales Selbstverständnis. Die Botschaft lautet: Politische Entscheidungen sollen konsequent wissenschaftsbasiert sein, unabhängig von Traditionen oder früheren Milieubindungen.

Womöglich soll dieser Vorstoß auch zur eigenen Profilschärfung beitragen; Die Partei hat sich bislang nicht von ihrer Wahlschlappe bei der Bundestagswahl im Februar (11,6 Prozent) erholt. Auch nicht vom Abgang ihrer Führungsfiguren, Robert Habeck und Annalena Baerbock. Sie profitieren auch nicht von der Schwäche der Bundesregierung und pendeln in Umfragen weiterhin zwischen 11 und 12 Prozent. (mit dpa)