Bereits in den frühen Morgenstunden haben in Gießen Tausende Menschen gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation protestiert. Schon ab 6 Uhr waren nach Schätzungen der Berliner Zeitung über 10.000 Menschen rund um den Bahnhof und in der Innenstadt unterwegs. Immer wieder hallten Trommeln und Sprechchöre wie „Alle zusammen, gegen den Faschismus“ durch die Straßen.
Die IG Metall, die Linkspartei, Bündnis 90/Die Grünen sowie die Gruppe „Omas gegen Rechts“ beteiligten sich schon am Morgen an den Protesten. Letztere warnten bereits am Vortag in den Sozialen Medien mit Fotos vor einzelnen bekannten rechten YouTubern.
„Dann ist er wie ein Kind und mit Sprechen wird es schwierig“
In der Menge treten verschiedene Protestgruppen auf, darunter Aktivisten in Clownskostümen, die bunt geschminkt, mit Perücken und Masken unterwegs waren. Eine Gruppe zog eine Mini-Holzlokomotive durch die Straßen. Jedes Mal, wenn das Holzspielzeug sich ein Stück bewegt, kreischt die Gruppe und applaudiert.
Dann fallen sich die Clowns in die Arme und einer sagt: „So fühlt sich also eine Festnahme an? Ist ja gar nicht so schlimm“. Sprechen will die Truppe aber nur miteinander. Ein Begleiter der Gruppe sagt der Berliner Zeitung: „Wenn der erste die Clownsmaske trägt, dann ist er wie ein Kind und mit sprechen wird es schwierig“. Mit aufgespanntem Regenbogenschirm stürzen sie sich dann wieder in die Menschenmenge.
Einige hundert Meter entfernt wird laut getrommelt, vermummte Gruppe rufen „Anti-Antifaschista“ oder „Alle zusammen, gegen den Faschismus“. Die Stimmung ist angespannt, aber nicht aufgeladen. Trotzdem hat sich die Polizei und die Stadt Gießen auf den Ernstfall vorbereitet, da in der Spitze mit über 50.000 Demonstranten gerechnet wird.

Spannungen erwartet – Kliniken vorbereitet
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach im Deutschlandfunk vom „größten Polizeieinsatz in Deutschland“. Die Lage sei eine „herausfordernde Großlage“, man gehe von „gewaltbereiten und gewalttätigen Teilnehmern“ in drei- bis vierstelliger Zahl aus. Besonders Gewaltaufrufe auf linksextremen Plattformen wie Indymedia seien den Sicherheitsbehörden bekannt. Hubschrauber, Drohnen, Wasserwerfer und eine Pferdestaffel stehen bereit; bei einer Überlastung des Notrufsystems übernimmt die Leitstelle Fulda.
Auch die umliegenden Kliniken haben sich auf viele Verletzte vorbereitet. Das Bündnis „Widersetzen“ brachte nach eigenen Angaben rund 200 Busse nach Gießen und rief zu Blockadeaktionen auf. Der SPD-Oberbürgermeister der Stadt mahnte, man müsse die Versammlung „ertragen“, solange sie rechtlich zulässig sei.
AfD gründet Jugendorganisation in Hessenhalle
Aber um was geht es überhaupt? In der Hessenhalle wollen am Samstag rund 1.000 AfD-Mitglieder die neue Jugendorganisation der Partei gründen. Geplant sind Reden der Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie von Ehrenvorsitzendem Alexander Gauland. Zudem sollen der Name, das Statut und der Vorstand beschlossen werden. Als Favorit gilt der Name „Generation Deutschland“. Die Entscheidung muss am Ende der AfD-Bundesvorstand bestätigen.
Designierter Vorsitzender ist der 29-jährige Brandenburger Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm, der als einziger kandidiert. Er gilt parteiintern als radikal; der Brandenburger Verfassungsschutz stuft sowohl die Landes-AfD als auch Hohm selbst als rechtsextrem ein.
Warum die AfD eine neue Jugendorganisation gründet
Die neue Struktur folgt auf die Auflösung der bisherigen Jugendorganisation Junge Alternative (JA) im Frühjahr. Die JA war rechtlich selbstständig, viele Mitglieder gehörten nicht der AfD an – extremistische Vorfälle schadeten regelmäßig der Partei. Zudem war die JA bundesweit vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft worden.




