Diplomatie

Selenskyj feuert Ukraine-Botschafter Makeiev

Der ukrainische Botschafter in Deutschland muss gehen, sein Vorgänger Andrij Melnyk macht dagegen Karriere.

Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev bei einem Interview mit der Berliner Zeitung.
Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev bei einem Interview mit der Berliner Zeitung.Paulus Ponizak/Berliner Zeitung

Präsident Wolodymyr Selenskyj entlässt den ukrainischen Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev. Sein Vorgänger Andrij Melnyk, derzeit Botschafter in Brasilien, wird UN-Botschafter der Ukraine. Beide Personalien wurden der Berliner Zeitung aus Kreisen des ukrainischen Außenministeriums bestätigt.

Über das Aus für Makeiev hatte zuerst die Zeitung Europäische Prawda berichtet. Auch die Bild-Zeitung berichtet von der Abberufung Makeievs und will die Tatsache aus mehreren Quellen in Diplomatenkreisen erfahren haben. Makeievs Nachfolger soll der derzeitige ukrainische Botschafter in Israel, Jewhen Korniychuk (58), werden. Von ihm schreibt die Prawda, er habe keine spezielle Deutschland-Erfahrung. Einen Karrieresprung soll dagegen Makeievs Vorgänger, Andrij Melnyk, machen: Er soll, so die Bild, in einer „massiven Beförderung“ Botschafter der Ukraine bei den Vereinten Nationen (UN) werden – einer diplomatischen Schlüsselposition angesichts des Kriegs mit Russland und dem bevorstehenden Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident.

Was aus „Makeiev nach seinem Einsatz in Deutschland wird, ist dagegen unklar“, so die Bild. Die Prawda schreibt, dass auch andere wichtige Posten neu besetzt werden, etwa die Botschafter in den USA und bei der Nato. Die Europäische Prawda erhält laut eigenen Angaben den größten Teil ihrer Finanzierung vom National Endowment for Democracy, einer Agentur der US-Regierung, ist demnach als sehr gut informiert einzuschätzen. Julian Röpcke, der für die Bild-Zeitung berichtet, ist ein exzellenter Kenner der Geheimdienstszene.

Die Bild-Zeitung schreibt: „Offiziell heißt es, Makeievs Ablösung sei Teil einer regulären Rotation zahlreicher ukrainischer Diplomaten weltweit. Doch hinter den Kulissen brodelte es gewaltig!“ Vor allem Melnyk hatte Makeiev immer wieder kritisiert, so die Prawda. Melnyk war unter anderem gegen Makeiev angetreten, als dieser die Berliner Zeitung attackierte. Melnyk sagte damals über Makeiev, dieser habe „kein Recht, freie deutsche Medien wegen kritischer Berichterstattung anzugreifen“. Melnyk weiter: „Das ist ein Schlag unter die Gürtellinie, ein absolutes No-Go. Die Pressefreiheit ist unschätzbar und muss von allen respektiert werden.“ Die ukrainische Botschaft hatte unter Makeiev außerdem unter anderem massiven Druck auf den Korrespondenten des ZDF in Moskau, Armin Coerper, aufgebaut.

Makeiev wird nach Bild-Informationen im Februar Deutschland verlassen. Die notwendigen Dokumente zu seiner Abberufung seien jedoch bereits an das Auswärtige Amt in Berlin verschickt worden, erklären Insider der Zeitung.