Machtwechsel in Genf

WHO-Chef geht: Wird Karl Lauterbach sein Nachfolger?

Ein Deutscher an der Spitze der WHO? Nachdem Ghebreyesus seinen Abschied angekündigt hat, wird Ex-Gesundheitsminister Lauterbach als Nachfolger gehandelt.

Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach könnte der neue WHO-Chef werden.
Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach könnte der neue WHO-Chef werden.Christophe Gateau/dpa

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, wird nach seiner zweiten Amtszeit nicht erneut kandidieren. Damit wird sein Posten in einer Phase erheblicher geopolitischer Spannungen vakant.

Laut Deutschlandfunk könnten zwei Deutsche gute Chancen haben, Ghebreyesus nachzufolgen: der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sowie Paul Zubeil, Experte für internationale Gesundheitspolitik im Bundesgesundheitsministerium. Zubeil ist zudem der Lebensgefährte des Drogenbeauftragten Hendrik Streeck (CDU).

WHO auf der Suche nach einem Chef

Die Nominierungsphase für die Wahl des nächsten WHO-Generaldirektors läuft derzeit und markiert den ersten offiziellen Schritt im Auswahlverfahren. Jedes Mitgliedsland kann bis zu einem festgelegten Stichtag Kandidaten vorschlagen. Nach der formalen Prüfung der Bewerbungen folgen Foren, Anhörungen und Interviews. Der WHO-Exekutivrat erstellt anschließend eine Vorauswahl von bis zu drei Kandidaten, bevor die Weltgesundheitsversammlung 2027 die endgültige Entscheidung trifft.

Nach dem Austritt der USA aus der WHO Ende Januar hat Deutschland die Rolle des größten staatlichen Beitragszahlers der Organisation übernommen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Besetzung der Spitzenposition zusätzliche politische Bedeutung.

Während die Vereinigten Staaten ihren Austritt mit dem Vorwurf begründeten, die WHO beeinträchtige die nationale Souveränität ihrer Mitgliedsländer, hat Deutschland neue Richtlinien unterstützt, die der Organisation ein schnelleres Reagieren auf Pandemien und andere Gefahren für die öffentliche Gesundheit ermöglichen sollen.

Unter anderem wurde die Warnstufe „pandemische Notlage“ eingeführt, die von der WHO ausgerufen werden kann. Sie soll dem Generaldirektor erlauben, zeitlich befristete Empfehlungen im Falle einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ auszusprechen. 2025 bezeichnete Lauterbach dieses Abkommen als „historisch“.

Mit dem Austritt der USA verliert die WHO zugleich ihren größten Geldgeber. Im Zeitraum 2024–2025 erhielt die Organisation die höchsten Zuwendungen aus den Vereinigten Staaten in Höhe von rund 871 Millionen Euro. Es folgen die Bill & Melinda Gates Foundation mit 627 Millionen Euro sowie die Gavi-Allianz mit 455 Millionen Euro. Deutschland belegt mit 295 Millionen Euro Rang fünf hinter der Europäischen Kommission, die 375 Millionen Euro beigesteuert hat.