Neues Gutachten

Alena Buyx: Schwere Plagiatsvorwürfe gegen frühere Ethikratvorsitzende

Ein neues Gutachten erhebt Plagiatsvorwürfe gegen Alena Buyx’ Doktorarbeit. Das gesamte Gutachten in voller Länge und alle weiteren Infos.

Während der Corona-Zeit war Alena Buyx Vorsitzende des Deutschen Ethikrates.
Während der Corona-Zeit war Alena Buyx Vorsitzende des Deutschen Ethikrates.Michael Kappeler/dpa

In einem am Dienstag veröffentlichten Gutachten erhebt der österreichische Plagiatsgutachter, Stefan Weber, Vorwürfe gegen die medizinische Dissertation von Alena Buyx (Universität Münster, 2005). In der Untersuchung kommt der Gutachter zu der Einschätzung, die Arbeit enthalte „zumindest 73 Text- und Quellenplagiatsfragmente“. Die Bewertung und Einordnung stammen ausschließlich vom Autor des Gutachtens. Das gesamte Gutachten finden Sie in ungekürzter Form hier.

Nach Angaben Webers basiert die Analyse auf einer softwaregestützten Überprüfung, unter anderem mit Turnitin Similarity und WCopyfind, sowie auf zusätzlichen Recherchen. Methodisch verweist das Gutachten auf einen sogenannten zitationsbasierten Ansatz. Dabei würden neben Textähnlichkeiten insbesondere identische Zitierfehler, übereinstimmende Literaturangaben und strukturelle Parallelen als Indizien gewertet.

Buyx sprach sich für die Corona-Impfung von Kindern aus

Während der Corona-Zeit war Buyx wiederholt in der öffentlichen Debatte präsent. Die frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates trat in Talkshows auf und gab Interviews in überregionalen Medien, in denen sie sich unter anderem massiv für die Corona-Impfung von Kindern einsetzte. Im Rahmen der Corona-Enquetekommission des Deutschen Bundestages erklärte Buyx nach eigenen Angaben im November, ihre damaligen Aussagen seien als persönliche „Einschätzungen“ zu verstehen gewesen.

Das Gutachten führt zahlreiche Einzelbeispiele an. Genannt werden unter anderem wiederkehrende Abweichungen bei Autoren- und Titelschreibweisen, darunter Schreibweisen wie „Kahnemann“ statt „Kahneman“ oder „La Berge“ statt „LaBerge“. Zudem dokumentiert Weber nach eigener Darstellung Fälle fehlerhafter oder unvollständiger Literaturangaben, etwa bei Seitenzahlen, Herausgebern oder Buchtiteln, die bereits in älteren Dissertationen enthalten gewesen seien.

In mehreren Passagen beschreibt der Gutachter strukturelle und sprachliche Übereinstimmungen mit früheren Arbeiten aus demselben wissenschaftlichen Umfeld. Ferner verweist das Gutachten auf einzelne, nach Auffassung des Gutachters übernommene inhaltliche Fehler.

Ein zentraler Aspekt der Kritik betrifft sogenannte Blindzitate. Weber vertritt die Auffassung, identische Fehlerketten und spezifische Referenzmuster könnten darauf hindeuten, dass Quellenangaben aus Sekundärliteratur übernommen wurden, ohne die Originalquellen selbst einzusehen.

Darüber hinaus bezeichnet das Gutachten das Verhältnis von Fließtext und Literaturverzeichnis als „ungewöhnlich“. Die Dissertation umfasse nach Angaben des Gutachters rund 83 Seiten Fließtext sowie etwa 30 Seiten Literaturverzeichnis mit 284 Titeln, davon 265 englischsprachig.

In der gutachterlichen Gesamtbeurteilung spricht Weber von Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis und formuliert einen „schwerwiegenden Plagiatsverdacht“. Diese Wertungen stellen die Einschätzung des Gutachters dar. Eine eigenständige Prüfung oder Feststellung durch die Universität Münster ist dem Gutachten nicht zu entnehmen.

TU Chemnitz entzog Mario Voigt den Doktortitel

In wissenschaftlichen Verfahren gilt die Unschuldsvermutung; Vorwürfe dieser Art werden üblicherweise erst nach Abschluss formaler Prüfverfahren abschließend bewertet. Weber ist als Sachverständiger für wissenschaftliche Redlichkeit tätig und hat zahlreiche Plagiatsuntersuchungen durchgeführt.

Im Januar 2026 entzog die TU Chemnitz dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) den Doktortitel. Als Grund nannte die Hochschule Mängel in seiner 2008 eingereichten Dissertation. Voigt weist die Vorwürfe zurück und stellt rechtliche Schritte in Aussicht. Ihm zufolge betreffen die Beanstandungen lediglich etwa 2,58 Prozent der Arbeit. Zuvor hatte Weber bereits 2024 auf mehr als 100 mutmaßliche Plagiate hingewiesen.