Er hat uns einen der schönsten Filme über das Jungsein in der DDR geschenkt („Sonnenallee“), und auch darüber hinaus beschäftigt sich der Theater- und Filmemacher Leander Haußmann mit seinen ostdeutschen Wurzeln und nimmt dabei erwartungsgemäß kein Blatt vor den Mund.
„Also diese Witze ewig, über die man lachen muss“
Im Podcast der Autorin Antje Riis, „Born in the GDR: Geschichte(n) aus einem verschwundenen Land“, spricht der Wahlberliner Haußmann nun recht unerblümt über seine Geschichte als Ostdeutscher, seine Wurzeln in der DDR und das Gefühl, sich im Grunde keinem der beiden Teile des Landes zugehörig zu fühlen: „Ich kann auch von mir sagen, umso mehr die Zeit verging, umso mehr wurde ich zum Ossi. Also im Osten war ich keiner.“
Und gleich zu Beginn der zweistündigen Folge lässt der 66-Jährige so gar kein gutes Haar am Westen – aus Erfahrung, wie er betont, denn die habe er im Westen mehr als einmal gemacht. Es geht um die Borniertheit, die ihm entgegenschlug, die immer gleichen dümmlichen Witze, als ob er auf einem anderen Stern aufgewachsen wäre: „Auf der anderen Seite diese Hochnäsigkeit, diese Ignoranz und dieser lächerliche Sarkasmus, mit dem man tagtäglich konfrontiert ist, wenn man seine Biografie ins Spiel bringt.
Also diese Witze ewig, über die man lachen muss, die ja aber gar nicht komisch sind, aber man lacht dann darüber, damit die Leute nicht denken, dass man keinen Humor hätte oder so. Da adelt man diese Witze auch noch, wie, ich sag mal, kanntet ihr im Osten dies oder jenes? Wo man immer noch erklären muss, dass wir auch die Stones da gehört haben.“
Aber auch der Osten bekommt bei Leander Haußmann keine Bestnoten, gerade in seiner Tätigkeit als Theatermacher kommen die „neuen Bundesländer“ nicht gut weg. Er habe nach der Wende nie wieder an einem Theater im Osten gearbeitet; nicht, weil er es nicht gewollt hätte, sondern weil es keine Angebote gegeben habe – auch der Osten habe ihn als Ostler nicht akzeptieren wollen, beschreibt Haußmann sein Leben zwischen Ost und West.
Trotzdem findet Haußmann einen humorvollen Zugang zum Thema DDR: „Als wir beispielsweise Sonnenallee gemacht haben, da gab es gar nichts Lustiges. Also nichts. Die DDR war praktisch als Erzählstoff gescheitert. Der galt an den Kassen als Gift. Und als man mit einem DDR-Thema kam, gingen sofort alle Türen zu. Wie heute übrigens auch immer noch. Aber es hat heute möglicherweise andere Gründe. Oder dieselben wieder. Jedenfalls, dass man über die DDR lachen kann und auch sollte, das war neu. Und ich hab mir gedacht, ich bin da nun aufgewachsen, 30 Jahre. Ich glaube, ich hab nie wieder so viel gelacht wie in dieser Zeit.“


