Auf dem Tisch stehen russische Eier, Lachsbrote und mit schwarzem Kaviar belegte Cracker zwischen halbvollen Champagnerflöten und Cognacgläsern. Es riecht nach Zigarettenrauch. Ausnahmsweise darf heute in Friedas Wohnung auch mal drinnen geraucht werden. Obwohl sie tief im Berliner Westen in Wilmersdorf liegt, erinnert sie mich mit ihren vielen Mustern, orange- und olivgrünen Akzenten, der auffällig blumigen Tapete und dem vielen Holz an eine DDR-Wohnung. Und das vermutlich sogar bewusst – auch wenn ich mich immer schäme, danach zu fragen.
Frieda ist zehn Jahre älter als ich und hat die DDR zumindest noch als Kind erlebt. Sie kommt aus der Nähe von Leipzig und wollte als Erwachsene wohl etwas von dem nachahmen, was für sie vor vielen Jahren Aufgehobenheit und Wärme bedeutete. Hinter Tellern und Gläsern steht ein unbedarfter Weihnachtskranz, dessen weiße Kerzen halb heruntergebrannt sind. Vorweihnacht bei Frieda. „Reich mir nochmal den Cognac, ich will anstoßen“, sagt sie. Und dann, schon halb lallend: „Auf ein gutes nächstes Jahr! Frohe Weihnacht!“

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