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„Ich krieg Aggressionen“: Sängerin Isi Glück kann Essgeräusche ihres Mannes nicht ertragen

Misophonie ist weiter verbreitet, als lange angenommen wurde. Auch immer mehr Prominente berichten von ihren Problemen mit den Essgeräuschen anderer Menschen.

Die Sängerin und DSDS-Jurorin Isi Glück
Die Sängerin und DSDS-Jurorin Isi GlückThomas Banneyer/dpa

Das Thema Misophonie erlebt gerade einen Aufmerksamkeitsschub auf Social Media – auch durch Prominente, die bekennen, unter den Essgeräuschen anderer Menschen zu leiden. Ob Schmatzen, Atmen oder Räuspern: Manche reagieren extrem empfindlich auf alltägliche Laute, auch vom eigenen Partner oder von der eigenen Partnerin.

Gerade hat die Partyschlagersängerin Isi Glück („Halt ma’ mein Bier“,  „Malle ist bei mir das ganze Jahr“) in Barbara Schönebergers Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ von ihrer Misophonie erzählt.

Beim Biss in ein paar frische Erdbeeren offenbarte die 35-Jährige, dass sie darunter leide, dass vor allem Essgeräusche sie triggern würden. „Wenn ich auf der Couch bin und mein Mann isst Nüsse – ich krieg Aggressionen. Kann ich dir nicht erklären.“

Das sei nichts, was sich in der Beziehung entwickelt habe, sondern eine Krankheit, wie sie in ihrem früheren Job als Fernsehredakteurin bei einem Dreh gelernt habe. Ihr Mann versuche schon, vorsichtig zu essen, „weil er das weiß“, aber sie habe zum Beispiel früher eine Kollegin gehabt, die immer Karotten gegessen habe. „Höchststrafe“, findet auch die Moderatorin Schöneberger.

Kürzlich hatte auch ihre Kollegin Ina Müller in der ARD-Talkshow „3nach9“ offenbart, von Misophonie betroffen zu sein. Sie berichtete, dass bestimmte Geräusche, wie das Eingießen von Wasser, bei ihr körperliche Schmerzen und Wut auslösen. Man belächle das Thema immer, aber es sei nicht witzig.

Misophonie: Beim Essen muss das Radio laufen

Müller teilt die Geräuschempfindlichkeit mit dem Hundetrainer Martin Rütter. Dieser erzählte, eine frühere Freundin von ihm habe gegen Ende der Beziehung mal Nüsse gegessen. Er sei kurz davor gewesen zu sagen: „Entweder wende ich Gewalt an oder ich geh raus.“ Er habe gedacht, das sei ein Zeichen dafür, dass die Beziehung vorbei sei. Später habe er aber bemerkt, dass auch die Essgeräusche seiner Kinder zum Problem würden. Er könne es einfach nicht aushalten, wenn jemand in seiner Nähe esse: „Wenn einer eine Banane kaut: Horror“, so Rütter.

In den Kommentaren zur Sendung melden sich etliche Betroffene zu Wort. Eine Userin schreibt: „Und ich hab gedacht, mir ging das alleine so. Jetzt gibt’s sogar einen Namen dafür. Bei uns muss immer Radio an sein, was die Essgeräusche überdeckt, sonst werde ich wahnsinnig. Und ja, es löst tatsächlich Wut aus.“

Tatsächlich ist Misophonie ein noch ziemlich jung erforschtes Phänomen, das 2001 von den Neurowissenschaftlern Margaret und Pawel Jastebroff als eine starke Abneigung gegenüber Geräuschen beschrieben wurde. Am stärksten reagieren Betroffene oft auf Geräusche, wenn sie von ihnen nahestehenden Personen kommen.

In Deutschland gibt es Online-Betroffenengruppen, in denen sich über das Syndrom ausgetauscht wird. Schätzungen zufolge sind etwa vier bis fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von Misophonie betroffen, wobei einige Studien Hinweise auf eine höhere Dunkelziffer oder unterschiedlich stark ausgeprägte Formen geben. Bislang ist die Misophonie allerdings keine „anerkannte“ Erkrankung.