Musik

Eurovision Song Contest 2026: Berliner Rapper Pashanim ruft zum Boykott auf

Jedes Jahr wird der ESC von politischen Kontroversen begleitet – so auch die diesjährige Ausgabe. Nun stellt sich der Rapper Pashanim gegen die Veranstaltung.

Wurde unter anderem mit seiner Single „Hauseingang“ bekannt: der Kreuzberger Rapper Pashanim.
Wurde unter anderem mit seiner Single „Hauseingang“ bekannt: der Kreuzberger Rapper Pashanim.Florian Wieser

In rund zwei Wochen findet zum 70. Mal der Eurovision Song Contest statt. Zwischen dem 12. und dem 16. Mai treten in diesem Jahr Künstler aus insgesamt 35 teilnehmenden Ländern in Wien an. Das Siegerland darf den Wettbewerb im nächsten Jahr austragen.

Doch ausgerechnet zur Jubiläumsausgabe müssen sich die Organisatoren erneut weniger mit der Musik als mit Politik beschäftigen. Hunderte Künstlerinnen und Künstler riefen im Vorfeld zum Boykott auf. So nun auch der Berliner Rapper Pashanim.

Eurovision Song Contest: Künstler fordern Boykott

Wie fast jedes Jahr in jüngerer Vergangenheit wird der ESC auch dieses Jahr von politischen Kontroversen begleitet. Bereits im Vorfeld hatten öffentlich-rechtliche Sender aus fünf Ländern angekündigt, aus Protest weder teilzunehmen noch zu übertragen: Spanien, Irland, Slowenien, die Niederlande und Island. Wegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg hatten sie einen Ausschluss Israels verlangt – die zuständige European Broadcasting Union (EBU) war der Forderung jedoch nicht nachgekommen.

Aus demselben Grund fordern inzwischen mehr als 1100 Künstlerinnen und Künstler in einem offenen Brief einen Boykott des Song Contests. Neben namhaften Musikern wie Peter Gabriel, Paul Weller und Brian Eno unterschrieb auch die dänische ESC-Gewinnerin von 2013, Emmelie de Forest. Selbst Sarah Engels, die in diesem Jahr für Deutschland antritt, bezeichnete den Wettbewerb als „falsche Bühne, um tiefe politische Konflikte auszutragen“.

Unabhängig von offenen Briefen und Petitionen meldete sich nun auch der Berliner Rapper Pashanim zu Wort. Ohne große Reden schrieb er in einer inzwischen nicht mehr abrufbaren Instagram-Story: „Kein ESC“. Auf Nachfrage teilte sein Management der Berliner Zeitung mit, dass dem Beitrag „nichts weiter hinzuzufügen“ sei.

Überraschend ist sein eher wortkarges Statement jedoch nicht. Der Kreuzberger Rapper mit türkischen Wurzeln hält sich in der Regel weitgehend aus der Presse heraus und gibt kaum Interviews. Statt über klassische Medien kommuniziert er über seine Musik und Social Media. Längere Stellungnahmen oder Talkshow-Auftritte des 25-Jährigen sind nicht bekannt. Seine klare Äußerung ist vor allem deswegen so bemerkenswert, weil eine politische Positionierung nicht unbedingt Teil von Pashanims öffentlicher Künstlerrolle ist.

Ob Pashanims Boykottaufruf der letzte aus Berlin bleibt, wird sich zeigen. Der Streit um die Teilnahme Israels entwickelt sich auch in diesem Jahr zu einer ernst zu nehmenden Belastungsprobe für den Wettbewerb. Bereits in den vergangenen Jahren, und vor allem 2024, hatte Israels Teilnahme zu Protesten und Boykottaufrufen in mehreren Ländern geführt. Bei Auftritten kam es zu Demonstrationen, zudem wurde erneut über einen möglichen Ausschluss diskutiert.

Damals wurde ein solcher Ausschluss häufig mit dem Verweis auf Russland begründet: Das Land war nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 vom ESC ausgeschlossen worden. Besonders brisant: Im selben Jahr gewann die Ukraine den Wettbewerb – was von vielen als politisch aufgeladenes Ergebnis interpretiert wurde.