Die Mehrheit der Deutschen ist mit ihrem Job eigentlich zufrieden, träumt aber gleichzeitig von etwas anderem. Das zeigt die Studie „Dream & Change Index“ des Softwareunternehmens Adobe, für die bundesweit 1500 Menschen ab 18 Jahren befragt wurden.
Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: grundsolide Zufriedenheit mit dem Job auf der einen Seite, konkrete Veränderungswünsche auf der anderen.
Zufrieden, aber nicht begeistert
Im Durchschnitt bewerten die Befragten ihre berufliche Situation mit 7,24 von 10 möglichen Punkten. Ein ganz ordentlicher Wert, der allerdings deutlich macht, dass es in vielen Bereichen noch Luft nach oben gibt. Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männer vergeben im Schnitt 7,45 Punkte, Frauen nur 7,04.
Ein Befund, der sich zumindest teilweise mit dem nach wie vor bestehenden Gender-Pay-Gap erklären lässt. Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen pro Stunde im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer, selbst bei vergleichbarer Tätigkeit bleibt eine Lücke von sechs Prozent.
Auch zwischen den Generationen zeigen sich Unterschiede, wenn auch geringere: Die Generation X, also die heute etwa 44- bis 59-Jährigen, ist mit 7,35 Punkten am zufriedensten, dicht gefolgt von den Boomern mit 7,26. Millennials und die Generation Z bewerten ihre Lage etwas kritischer. Ein möglicher Grund: Ältere Beschäftigte haben die größten Karriereschritte bereits hinter sich und genießen mehr Sicherheit, während jüngere Generationen stärker auf Sinnhaftigkeit, Flexibilität und eine ausgewogene Work-Life-Balance achten.

Regional überrascht die Erhebung mit einem unerwarteten Ergebnis: Nicht die wirtschaftsstarken Bundesländer Bayern oder Nordrhein-Westfalen liegen vorn, sondern Thüringen mit knapp acht Punkten, gefolgt vom Saarland und von Schleswig-Holstein. Am unteren Ende der Skala finden sich Brandenburg, Hamburg und Bremen. Hohe Lebenshaltungskosten und begrenzte Aufstiegschancen könnten hier eine Rolle spielen.
Gehalt bleibt der wunde Punkt
Beim Thema Gehalt wird die Stimmung deutlich nüchterner. Die Zufriedenheit mit der Bezahlung liegt im Schnitt nur bei 6,26 Punkten. Frauen bewerten ihr Gehalt mit 5,95 noch einmal deutlich schlechter als Männer mit 6,56. Fast jeder Dritte wünscht sich eine Gehaltserhöhung von sechs bis zehn Prozent, mehr als ein Viertel hätte gerne zwischen zehn und 20 Prozent mehr. Nur etwas mehr als jeder Zehnte empfindet die eigene Bezahlung als fair.
Auch bei der Work-Life-Balance sehen viele Befragte Nachholbedarf. Der Durchschnittswert liegt hier bei 6,03 Punkten. Männer schätzen ihre Situation mit 6,85 etwas besser ein als Frauen mit 6,55.
Trotz der insgesamt soliden Grundzufriedenheit denkt fast ein Drittel der Befragten über einen Jobwechsel innerhalb der nächsten zwei Jahre nach. Mehr als jeder Dritte möchte sogar noch in diesem Jahr etwas verändern. Gleichzeitig kommt für ein weiteres Drittel ein Wechsel derzeit nicht infrage, das gilt besonders für Beschäftigte im Saarland, in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hauptmotivation für einen Wechsel ist wenig überraschend das Gehalt. Auf Platz zwei folgt der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance, auf Platz drei nennen die Befragten Stress und Erschöpfung. Letzteres betrifft Frauen stärker als Männer: Etwa jede dritte Frau gibt Stress als Wechselgrund an, bei den Männern ist es nur jeder Vierte.
Was viele davon abhält, den Schritt tatsächlich zu wagen, ist vor allem wirtschaftliche Unsicherheit. Ein Drittel nennt diesen Faktor, fast ebenso viele verweisen auf familiäre Verpflichtungen. Jeder Vierte fühlt sich schlicht zu alt für einen Neustart. In einigen Bundesländern kommt hinzu, dass es an Weiterbildungs- und Umschulungsangeboten mangelt.
Der Traumjob: Gut bezahlt und sicher
Gefragt nach ihrem Traumjob, zeigen sich die Deutschen pragmatisch und idealistisch zugleich. Ganz oben auf der Wunschliste steht der IT-Spezialist mit 12,3 Prozent, gefolgt vom Beamten mit 4,7 Prozent, vom Arzt mit 4,5 Prozent und vom Ingenieur mit 4,3 Prozent. In den offenen Antworten tauchen aber auch Berufe wie Tierpfleger oder Meeresbiologe auf, also Tätigkeiten mit Sinnbezug und Nähe zur Natur.
Über die Hälfte der Befragten nennt ein gutes Gehalt als wichtigstes Kriterium für den Traumjob. Rund ein Drittel sucht Selbstverwirklichung, ein weiteres Drittel legt besonderen Wert auf Arbeitsplatzsicherheit. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß: Die Befragten schätzen die Wahrscheinlichkeit, ihren Traumjob tatsächlich zu erreichen, im Schnitt nur mit 2,76 von 5 Punkten ein. Die Boomer sind mit 2,33 Punkten besonders pessimistisch, die Generation Z mit 3,21 deutlich zuversichtlicher.

Auch beim Gehalt zeigen sich klare Grenzen der Kompromissbereitschaft. Knapp zwei Drittel würden selbst für ihren Traumjob nicht weniger verdienen wollen. Nur etwa jeder Vierte wäre bereit, bis zu zehn Prozent Gehaltseinbußen hinzunehmen. Einzig die Generation Z zeigt sich hier offener: Die Hälfte würde für den richtigen Job auch finanzielle Abstriche machen.
Umziehen für den Traumjob: Hamburg ist die Nummer eins
Immerhin wären fast sechs von zehn Befragten bereit, für den Traumjob die Stadt zu wechseln. Vier von zehn können sich einen Umzug innerhalb Deutschlands vorstellen, jeder Sechste sogar ins europäische Ausland. Bei der Frage nach dem beliebtesten Ziel für einen beruflichen Neustart ergibt sich ein klares Ranking:
1. Hamburg (25,2 Prozent)
2. Berlin (22,1 Prozent)
3. München (21,5 Prozent)
4. Köln (15,7 Prozent)
5. Frankfurt am Main (14,5 Prozent)
Wenig überraschend zieht es die meisten dabei in die Nähe ihrer Heimatregion. Am wenigsten gefragt sind Städte wie Duisburg, Gelsenkirchen und Wuppertal. Allerdings sagt auch gut ein Viertel der Befragten ganz klar, für einen Job nicht umziehen zu wollen. Bei Frauen ist dieser Anteil mit fast einem Drittel besonders hoch.

