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„Berlin ist eine der hässlichsten Städte überhaupt“: Streamerin sorgt für hitzige Debatte

Es gibt neues Futter für alle, die Berlin nicht (mehr) ausstehen können. Eine Twitch-Streamerin fragt, wie man die Stadt nur schön finden könne. Die Antworten sind vielsagend.

Gibt es noch Lichtstreifen der Hoffnung für Berlin? Manche finden: Nein.
Gibt es noch Lichtstreifen der Hoffnung für Berlin? Manche finden: Nein.dpa

Berlin-Bashing ist schon so lange in, dass es eigentlich langsam mal out sein müsste. Doch es gibt offenbar genug Futter in dieser Stadt, um das Narrativ aufrechtzuerhalten. Immer wieder arbeiten sich Kolumnisten, Influencer, Künstler und Comedians an der Hauptstadt ab. 

Über die „gekippte Stadt“ titelte die Süddeutsche Zeitung zuletzt, geschrieben aus der Innensicht einer Anwohnerin: „Auch Berlinern gefällt ihre eigene Stadt nicht mehr. Außer fürs Kaputtsparen scheint sich dort niemand mehr für irgendetwas zuständig zu fühlen.“

Die Klage fand einigen Widerhall, und so wundert es nicht, dass das Thema weiterhin medial bespielt wird. Nichts da mit Bashing-Pause, schon kommt die nächste reichweitenstarke Lautsprecherin um die Ecke, die eine dezidierte Antimeinung zu Berlin vertritt. Ihr (Künstler-) Name ist Sintica, sie ist DJane und Streamerin, laut Social Media in Nürnberg ansässig. Bei Twitch hat Sintica alias Anika F. fast 350.000 und bei Facebook knapp 20.000 Follower.

An der Jannowitzbrücke ist der Himmel grau

Dort fragte sie vor ein paar Tagen alle Berliner und jene, „die Berlin irgendwie nice finden“, was sie an der Stadt bloß mögen. Dazu macht sie ein recht verkniffenes Gesicht, um sie herum tobt lautstark der Verkehr. Es ist ein grauer Tag, augenscheinlich befindet sich Sintica an der Jannowitzbrücke, als sie ihr kurzes Video aufnimmt.

Sie komme ja als DJ schon rum in Deutschland, aber „ich muss sagen, für mich ist Berlin eine der hässlichsten Städte überhaupt. No Front an alle Berliner oder alle Leute, die es hier cool finden, aber was ist daran schön? Ich check es nicht. Schreibt’s mir in die Kommentare!“

Die Netzgemeinde lässt sich nicht lange bitten, zu Berlin hat schließlich jeder eine Meinung. Mehr als 1500 Kommentare sammeln sich unter dem Video – und es geht darin munter hin und her.

Zum einen wird die Streamerin selbst Ziel von Häme: „Das ist das Problem, wenn man vom Dorf kommt: Man geht durch vier Straßen und denkt, man hätte alles gesehen“, ätzt ein User. Ein anderer meint Ähnliches, drückt es aber charmanter aus: „Da, wo du gerade bist, ist Berlin nicht gerade schön. Berlin ist aber viel größer, du solltest mal etwas länger bleiben und dir die Stadt mal ganz anschauen.“

Andere pflichten der Einschätzung bei: Die Stadt habe richtig schöne Ecken, abseits der Innenstadtteile, heißt es verteidigend. „Hinzu kommt, dass ich persönlich Berlin vor allem wegen seiner Menschen mag.“

Es sind vor allem Berlinerinnen und Berliner, die ihre Stadt in Schutz nehmen und Kontra geben. Sie sei Urberlinerin, schreibt eine Frau, und könne „solche Typen von Menschen, die mal auf einen Besuch nach Berlin kommen und glauben, Berlin zu kennen, und nur schlechte Wellen verbreiten, überhaupt nicht leiden“. Berlin sei eine der schönsten Städte in Europa. „Vor allem kulturhistorisch, mit vielen schönen Grünanlagen und einer waldreichen Umgebung ist Berlin einfach nicht zu übertreffen.“ Sie liebe ihre Stadt, auch wenn sie sich sehr verändert habe. Und an die Kritiker gerichtet: „Ganz ehrlich, wem es hier nicht gefällt, der muss hier nicht sein. Amüsieren Sie sich doch anderswo.“

Kommentare: „Berlin ist ’ne Müllhalde voller Junkies“

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten, und den werfen die Kommentare ebenfalls großflächig. „Das Schönste an Berlin ist der Moment, wenn man es im Rückspiegel sieht“, schreibt ein User, eine andere bemerkt: „Berlin ist nicht mehr, wie es war.“

Immer wieder werden in den Kommentaren die gleichen Probleme genannt: Völlig verdreckt sei die Stadt, vermüllt sowie infrastrukturell sanierungsbedürftig. „Berlin ist ’ne Müllhalde voller Junkies“, heißt es da etwa. Und zwar nicht nur von Auswärtigen, sondern auch von Bewohnern. Eine 50-jährige gebürtige Friedrichshainerin schreibt, der Charme, den ihre Stadt einst versprüht habe, sei weg. „Spätestens ab den 2010er-Jahren war alles verflogen. Mittlerweile ertrage ich meine eigene Stadt nicht mehr, und wenn ich könnte, würde ich jaanz weit wechrennen.“