Timo S.* ist kein ängstlicher Typ. Der kräftige Mann aus Sachsen, 41, lebt mit seiner Freundin unweit der Neuköllner Schillerpromenade zwischen Tempelhofer Feld und Hermannstraße. Als S. von der Sonnenallee hierherzog, war der Schillerkiez ein ruhiges Viertel, das begann, sich zu gentrifizieren: Kleine Familien, Studenten, Künstler und ein großer Anteil an arabischstämmigen Ausländern teilten sich das Viertel, das nach der Schließung des Flughafens im Jahr 2008 eine Aufwertung erfuhr.
S. lebt hier seit fünf Jahren und beobachtet seit längerem zunehmende Gewalt und Drogenkonsum an den U-Bahnhöfen Leine- und Boddinstraße, im nahe gelegenen Anita-Berber-Park und vermehrt auch direkt in seiner Straße. In seinem Treppenhaus campieren regelmäßig Junkies, konsumieren Drogen und verhalten sich aggressiv.
„Sie laufen abends durch die Straßen und treten gegen die Haustüren, um zu sehen, wo sie reinkönnen. Man riecht es sofort, wenn sie im Treppenhaus sind, aber bis die Polizei da ist, sind sie meistens verschwunden“, erzählt S. im Interview mit der Berliner Zeitung. Wir haben ihn in einem Neuköllner Café getroffen, wo er über die Zustände in seinem Viertel redet: „Die Stadt hat uns alleingelassen“, sagt er.

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