Suris Weekender

Alles ist „kind of“: Wie sich Berlin mit Denglisch vor seinen Gefühlen wegduckt

Am Wochenende zog unsere Kolumnistin mit einer Besucherin durch das Berliner Nachtleben. Eine Erfahrung, die ihr einmal mehr zeigte, wie merkwürdig diese Stadt doch ist.

Vorsicht! Kopf einziehen! Ist das Berliner Denglisch nur ein Schutzmechanismus?
Vorsicht! Kopf einziehen! Ist das Berliner Denglisch nur ein Schutzmechanismus?Christian Ohde

„I mean … honestly?!“, ruft Kiara mit hochgezogener Augenbraue, während Alexa, eine ihrer Freundinnen, gerade erzählt, wie ihr Ex-Freund sie enttäuscht hat. Kiara wird heute 31 – und gefeiert. Sie trägt ein Top, hinter dem die Nippel ihrer kleinen runden Brüste durchscheinen. In ihrem Gesichtsausdruck liegt gespielte Ungläubigkeit, ein „wie kann er nur“ entwischt ihren Lippen, das in Gesprächen zwischen Frauen aber meist nicht so ernst gemeint ist. Eher als eine Solidaritätsgeste und nicht als echte Verwunderung.

Insgeheim weiß man natürlich schon, dass er kann, und dass er vermutlich auch getan und am Ende irgendeine Erklärung gefunden hat, warum und wie sein Verhalten irgendwie doch okay war. „Männer eben“, sagen sich die Frauen dann, ohne es explizit ausdrücken zu müssen. Ich weigere mich jedoch immer ein wenig, in diesen Klagechor einzustimmen. Männer können nämlich auch anders. Auch wenn mich manche Geschichten immer wieder an dieser Überzeugung zweifeln lassen.

Berliner Zeitung

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