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In der DDR war eigentlich alles geheim. Dazu gab es Gesetze, die selbst dann mit Sanktionen drohten, wenn es sich um Angelegenheiten handelte, die völlig offensichtlich waren. Das konnte man auch ehemals in Friedrichshagen beobachten.
Die große Villa am Eingang zum Spreetunnel stand nach Kriegsende und der Nutzung als sowjetisches Militärquartier leer. Eines Tages bekam das Anwesen gleichwohl einen hohen Plattenzaun – und dann einen Polizeiposten vor dem Tor mit weiteren Waffenträgern in einem neu gebauten Seitenflügel. Wer den Posten ansprach, der musste seinen Personalausweis zeigen und wurde barsch weggeschickt. Alles geheim!
Dabei hatte der populäre Rias (Rundfunk im amerikanischen Sektor) in einer seiner Sendungen längst über die Bewohner berichtet. Zeitweilig sollte es der Altkommunist und DDR-Minister Erich Selbmann gewesen sein. Bis er bei Walter Ulbricht in Ungnade fiel. Dann kamen laut Rias mehrfach geheime Staatsgäste. Vermutlich wurden diese stets vor Ort konspirativ identifiziert und weitergemeldet.
Geheime Häuser und Wohnungen gab es im Laufe der Zeit in großer Vielfalt. Sogar Stasi-Gemächer in Wohnungen, von denen aus Zielpersonen abgehört wurden. Regelmäßig kam der Stasi-Mann, nahm Material mit und trank mit den zur strengsten Geheimhaltung verpflichteten Wohnungsbesitzern schon mal einen Schnaps. Wichtigtuerisch ausgeplaudert von einem Schulkameraden meines Sohnes. So wurden wohl die meisten dieser „Objekte“ von Nachbarn identifiziert.

Sollten dafür tatsächlich Entschädigungen gezahlt worden sein?
Bei uns gegenüber wohnte zum Beispiel ein Mann, der den gleichen Anzug trug wie die Stasi-Leute, die mich mehrfach im Stasi-Hauptquartier Ruschestraße nach meinen „Westkontakten“ befragten. Mein Gegenüber kam mit seinem Mazda zu wechselnden Tageszeiten, entnahm stets dem Kofferraum eine damals moderne Reiselord-Aktentasche, wie sie auch Stasi-Leute benutzten, die bei uns Haussuchungen machten. Lücken im System, leicht erkennbar.
Nicht öffentlich erörtert wurde übrigens einer der bedeutendsten Eingriffe in das Friedrichshagener Ortsbild überhaupt. Der begann, nachdem 1963 das sowjetische Militär den seit 1945 komplett besetzten und abgesperrten nördlichen Abschnitt der Peter-Hille-Straße wieder freigegeben hatte. Es stellte sich heraus, dass fast alle dortigen Privathäuser unvermeidlich abrissreif waren. Es musste dort komplett neu gebaut werden. In diesem Zusammenhang wurde das gesamte angrenzende Gebiet neu gestaltet. Neue Straßen wurden angelegt, die Gartenflächen der Grundstücke in der östlichen Bölschestraße sowie die rückwärtigen Flächen der westlich angrenzenden privaten Grundstücke der Peter-Hille-Straße bebaut. Sollten dafür tatsächlich Entschädigungen gezahlt worden sein?
Der gesamte Ort, über Generationen von Familienbesitz geprägt, wurde gemäß Gesetzeslage von den allmächtigen Behörden wie Staatseigentum behandelt. Vermutlich waren nach 1945 gemäß alliierten Weisungen einige Anwesen wegen NS-Aktivitäten enteignet worden.
In Friedrichshagen gab es in der Tat nicht wenige Nazis. Der ganze Ort war mit NS-Blockwarten, angepassten Geschäftsleuten und „Mitläufern“ durchsetzt, die offensichtlich auch als Denunzianten zu fürchten waren. Aber die neuen Zugriffe auf privaten Grund und Boden im Sinne der kommunistischen Ideologie gegen Privateigentum hatten nun noch andere Quellen. Wer als potenzieller Flüchtling Richtung Westen galt, verlor automatisch seine Zugriffsrechte. Etliche Strafurteile waren mit Vermögenseinzug verbunden.

Ein beliebter Wohnort für die Militärs der NVA
Sich dagegen zu wehren, war ausgeschlossen. Gegen den Staat zu klagen, war unmöglich. Es gab keine Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nur Eingaben als Bittschriften. Anstelle eines Immobilienmarktes gab es ein Verfahren nach einer „Grundstücksverkehrsordnung“, nach der unter anderem bestimmt wurde, dass niemand, der ein Grundstück besaß, ein weiteres oder einen Anteil erwerben durfte. Alles genehmigungspflichtig. Eigentum an Wohnungen gab es übrigens nicht.
Das „Volkseigentum“ wuchs, wurde aber auch mal unter Vorbehalten zur Nutzung oder sogar als neues Privateigentum aus „gesellschaftlichem Interesse“ vergeben. Nicht nur an SED-Klientel, sondern auch an Persönlichkeiten, deren Weggang vermieden werden sollte, weil sie dringend gebraucht wurden, etwa als Forscher oder Ärzte.
Auch an aus dem Westen zurückgezogene Stasi-Agenten wurde als Belohnung Haus- und Grundbesitz vergeben. Sie konnten auch Gewerbegenehmigungen bekommen. Etwa für Fuhrgeschäfte und Restaurants, als Heimleiter und in anderen Positionen, in denen es was zu hören gab, was ihre Förderer interessierte. Alles nach politischem Ermessen der SED.
Staunende Nachbarn beobachteten auch in Friedrichshagen, dass ein Ortsfremder eine Wohnung samt Garage für einen Mercedes bekam. Den wollten die „verdienten Kundschafter“ des Regimes natürlich nicht an ihre Arbeitgeber abgeben.
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