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Blutbad am Bondi Beach: Schluss mit der Selbsttäuschung über „Antizionismus“

Die Vertreter des Simon Wiesenthal Center sind ob des Attentats auf jüdische Menschen am Bondi Beach entsetzt, aber nicht überrascht. Aus ihrer Sicht es Zeit, endlich zu handeln.

Menschen legen bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Terrorangriffs am Bondi Beach in Sydney Blumen nieder.
Menschen legen bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Terrorangriffs am Bondi Beach in Sydney Blumen nieder.Flavio Brancaleone/dpa

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In der ersten Nacht von Chanukka – einer Zeit, in der jüdische Familien eigentlich im Licht des Festes der Lichter zusammenkommen sollten – erlebte die jüdische Gemeinschaft Sydneys das genaue Gegenteil: ein Blutbad. Zwei Terroristen schossen über elf Minuten hinweg auf Chabad-Rabbiner und auf Hunderte von Menschen aus mehreren Generationen, die sich zur Veranstaltung „Chanukka by the Sea“ am ikonischen Bondi Beach versammelt hatten. Mindestens 15 Juden wurden ermordet, Dutzende weitere verletzt. Es war einer der schwersten antisemitischen Anschläge in der jüngeren Geschichte Australiens – ein gezielter Massenmord an Juden, die offen und selbstbewusst ihr jüdisches Leben feierten.

Lassen wir für einen Moment die Sprache der Beschönigung und Ausflüchte beiseite. Das war keine „gesellschaftliche Spannung“. Kein „importierter Konflikt“. Kein „bedauerlicher Vorfall“. Juden wurden gezielt angegriffen – von einem australisch-arabischen Vater-und-Sohn-Killerteam, bewaffnet mit Langwaffen und Sprengsätzen, mit einem einzigen Ziel: Juden zu töten, weil sie Juden sind – an einem jüdischen Feiertag, bei einer jüdischen Veranstaltung.

Schluss mit den realitätsfernen Debatten

Wie alle Nazis und judenhassenden Tyrannen vor ihnen fragten sie nicht und es interessierte sie nicht, ob ihre Opfer religiös oder säkular waren, Zionisten oder Nichtzionisten, gläubig oder atheistisch. All das war irrelevant. Vom zehnjährigen Mädchen über eine Holocaust-Überlebende bis hin zu zwei Chabad-Rabbinern galten ihnen alle als „legitime Ziele“ – zum Tod verurteilt für das vermeintliche Verbrechen, als Juden geboren zu sein.

Es reicht nun mit den endlosen realitätsfernen Debatten darüber, dass Antizionismus und Antisemitismus angeblich zwei verschiedene Dinge seien. Vielleicht sind sie das in der Theorie. Aber nicht in der realen Welt.

Bondi Beach ist der bislang blutigste Beweis dafür, was Staats- und Regierungschefs, Medien und Influencer endlich begreifen müssen: Man kann nicht glaubwürdig gegen Antisemitismus kämpfen und gleichzeitig Antizionismus einen Freifahrtschein ausstellen.

Die Sowjetunion und ihre Apologeten führten im 20. Jahrhundert den Antizionismus gezielt ein, um Antisemitismusvorwürfe abzuwehren. Doch am Vorabend des Jahres 2026 zeigt die Wirklichkeit – eine Welt, in der Kugeln fliegen und Unschuldige neben einer Chanukkia tot am Boden liegen, während Familien hinter Autos Schutz suchen –, dass Antizionismus längst keine vermeintlich raffinierte politische Kritik mehr ist. Er ist die sozial akzeptierte Maske des ältesten Hasses.

Circa 1200 Menschen demonstrieren während des al-Quds-Tages in Berlin. Der al-Quds-Tag wird alljährlich zu organisierten Massendemonstrationen gegen Israel genutzt, bei denen die Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern gefordert wird.
Circa 1200 Menschen demonstrieren während des al-Quds-Tages in Berlin. Der al-Quds-Tag wird alljährlich zu organisierten Massendemonstrationen gegen Israel genutzt, bei denen die Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern gefordert wird.imago/stock&people

Zunahme von Belästigungen, Drohungen und Gewalt

Er ist das ideologische Scharnier einer Abwärtsspirale: Zunächst wird Israels Existenz durch die Delegitimierung der sogenannten Besatzung infrage gestellt. Dann wird Israel als kolonialer Apartheidstaat gebrandmarkt. Danach werden Israelis zu Nazis erklärt. Zionismus wird als Rassismus diffamiert. Jeder, der Israel unterstützt oder mit ihm Geschäfte macht, gilt als Rassist. Und am Ende heißt es offen: „Die Juden sind böse“ – und sie verdienen es, ausgelöscht zu werden.

Was Bondi Beach betrifft: Das Simon Wiesenthal Center ist entsetzt – aber nicht überrascht. Seit zwei Jahren erlebt die jüdische Gemeinschaft Australiens eine Zunahme von Drohungen, Belästigungen und Gewalt, während zu viele politisch Verantwortliche sich mit Worten begnügen, statt zu handeln. Wenn Parolen zur Vernichtung des jüdischen Staates skandiert werden und Israel im öffentlichen Raum dämonisiert und stigmatisiert wird, sinkt die Hemmschwelle für Gewalt gegen Juden.

Bereits im vergangenen Dezember trafen wir einen hochrangigen australischen Diplomaten, um anzukündigen, dass das Simon Wiesenthal Center Australien auf seine Reisewarnliste setzen werde. Schon damals erkannten wir, dass die australische Regierung nicht bereit war, islamistische und andere gewaltbereite Judenhasser konsequent zur Verantwortung zu ziehen. Und dass Canberra nicht die Entschlossenheit zeigte, Antisemiten entgegenzutreten und die terroristischen Netzwerke zu zerschlagen, die bereits Juden in Australien ins Visier nahmen. Viele australische Juden glauben bis heute nicht, dass sich daran Wesentliches ändern wird. Wir teilen ihre Angst und ihre Skepsis.

Weitere Eskalationen drohen

Politische Entscheidungsträger in Australien, Frankreich, im Vereinigten Königreich und in Kanada, die die Hamas faktisch belohnten, indem sie einen palästinensischen Staat unterstützten, müssen endlich erkennen: Bondi Beach ist kein Einzelfall – und weitere Eskalationen drohen. Es gibt organisierte Kampagnen, die darauf abzielen, Israel zu schwächen, jüdisches Leben weltweit unsicherer und fragiler zu machen, die Präsenz eines lebendigen Volkes zu reduzieren und letztlich den jüdischen Staat zu zerstören.

Es ist längst überfällig, dass Diplomaten und Kommentatoren ihre Feindseligkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber dem jüdischen Staat nicht länger hinter heuchlerischen Schweigeminuten verstecken. Es ist längst überfällig, dass Deutschland und andere Regierungen Antisemitismusbeauftragte einsetzen, die den Mut haben, Antizionismus als das zu benennen, was er ist. Und es ist höchste Zeit, Geheimdienste und Polizeibehörden international zu koordinieren, um die terroristischen Netzwerke aufzudecken und zu zerschlagen, die uns alle bedrohen.

Simon Wiesenthal warnte einst: „Es beginnt immer mit den Juden – und es endet niemals mit den Juden.“ Dieses Chanukka begann es mit den Juden. Gott verhüte, was dieses Weihnachten oder das kommende neue Jahr noch bringen könnte.

Rabbi Abraham Cooper ist Stellvertretender Dekan und Direktor für globale soziale Maßnahmen am Simon Wiesenthal Center und ehemaliger Vorsitzender der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit. Daniel Schuster wiederum ist Europa-Repräsentant des Simon Wiesenthal Center in Wien.

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