Die 1859 gegründete Mauritius Brauerei aus Zwickau hat beim Amtsgericht Chemnitz Insolvenz angemeldet. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 321 IN 485/26. Die Löhne der 51 Beschäftigten müssen bis Mai über die Agentur für Arbeit finanziert werden, wie die Freie Presse zuerst berichtete.
Insolvenzverwalter Henry Girbig von der Chemnitzer Kanzlei Tiefenbacher zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Ich bin guter Hoffnung, das Unternehmen retten zu können." Der Geschäftsbetrieb werde mit allen 51 Arbeitnehmern uneingeschränkt fortgeführt. Die Brauerei verfüge über einen „gesunden Unternehmenskern", es gebe keine Außenstände bei Steuern oder Sozialversicherungen, so Girbig weiter. Laut Gerichtsbeschluss sind Verfügungen über Gegenstände der Insolvenzmasse nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam.
Teure Langfristverträge und schrumpfender Markt als Ursachen
Medienberichten zufolge sind vor allem ungünstige Langfristverträge für Rohstoffe ein wesentlicher Grund für die finanzielle Schieflage. Die Privatbrauerei habe Rohstoffe zu überhöhten Preisen eingekauft und sei so in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale geraten. Hinzu kommt der generell rückläufige Bierabsatz in Deutschland, der den Zwickauern zusätzlich zusetzt. Zuletzt sei es dem Unternehmen allerdings gelungen, Preiserhöhungen im Handel durchzusetzen – ein Schritt, der die Situation stabilisieren könnte.
Die Mauritius Brauerei ist vor allem in Ostdeutschland bekannt. Vom Mauritius Pilsner über Dunkel Bock bis hin zu einem Trabi-Bier deluxe in der Dose reicht das Sortiment, das in den Supermarktregalen der Region zu finden ist.
Neue Eigenmarke „Kosmonaut" als möglicher Rettungsanker
Erst 2025 brachte die Brauerei in Zusammenarbeit mit der Supermarktkette Rewe ein neues Produkt auf den Markt: die Eigenmarke „Kosmonaut", ein helles Feierabendbier, das in den Rewe-Ost-Märkten in Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verkauft wird. Nach Informationen der B.Z. könnte der langfristige Vertrag mit Rewe entscheidend dazu beitragen, das Überleben der Traditionsbrauerei zu sichern.
Ob die Kombination aus Preiserhöhungen, der Rewe-Kooperation und dem Sanierungsverfahren ausreicht, um die Mauritius Brauerei dauerhaft zu retten, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.


