In der Grimmaischen Straße in der Leipziger Innenstadt ist gegen 16:45 Uhr ein Pkw in eine Menschengruppe gefahren. Die Polizei bestätigte zwei Tote und mehrere Verletzte, drei davon schwer. Der Täter konnte festgenommen werden.
„Bei dem mutmaßlichen Tatverdächtigen, der mit einem Pkw durch die Fußgängerzone der Leipziger Innenstadt gefahren ist, handelt es sich um einen 33-Jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit“, teilte die Stadt Leipzig am Abend mit. Auf einer Pressekonferenz hieß zudem, der Mann sei „in Deutschland geboren“. Einen Migrationshintergrund soll es dem Vernehmen nach nicht geben.
In den sozialen Medien kursiert ein Video, dass den Moment der Festnahme zeigen soll. Die Echtheit des Videos konnte noch nicht überprüft werden, weshalb wir uns entschieden haben, es zunächst nicht zu zeigen. Der Polizei ist das Video nicht bekannt. Sie rief in den sozialen Medien dazu auf, das Teilen von „ungeprüften Meldungen und Fotos“ zu vermeiden. „Fakenews erschweren unsere Arbeit vor Ort“, schrieb die Polizei Sachsen auf „X“.

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes. Gegen 19:30 Uhr trafen unter Einsatz von Blaulicht vier Fahrzeuge der Kriminaltechnik am Tatort ein. Es gibt erste Hinweise auf ein mögliches Motiv: Ein Streit im häuslichen Bereich könnte der Auslöser für die Amoktat gewesen sein, schreibt „Focus Online“ und beruft sich auf Sicherheitskreise.
„Das Fahrzeug nebst Fahrer konnte kurz darauf gestellt werden, von ihm geht derzeit keine Gefahr mehr aus. Die Rettungskräfte haben einen Massenanfall von Verletzten ausgerufen, die Polizei ist mit vielen Kräften im Einsatz“, sagte ein Polizeisprecher am frühen Abend.
Der Täter fuhr offenbar mit sehr hohem Tempo vom Augustusplatz über die Grimmaische Straße durch die Innenstadt. Auf 100 bis 130 Stundenkilometer schätzten mehrere Zeugen die Geschwindigkeit des Fahrzeugs. Der Verdächtige selbst brachte das Auto auf Höhe der Klostergasse zum Stehen und wurde noch am Lenkrad sitzend von den Beamten gefasst, sagte Polizeisprecherin Susanne Lübcke.
„Wir hatten 1000 Schutzengel“, sagte Friederike Holzapfel der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die in Leipzig bekannte Radiomoderatorin vom Sender „SAW“ befand sich zur Tatzeit in der Innenstadt, wollte mir ihrer zwölfjährigen Tochter Wilhelmine auf der Grimmaischen Straße in einem Drogeriemarkt einkaufen.

„Da wir aber ausnahmsweise mit dem Rad unterwegs waren, fuhren wir einen kleinen Bogen. Radeln ist in der Fußgängerzone nicht erlaubt“, so Holzapfel. Die Atmosphäre in den Minuten nach der Tat beschrieb sie als „gespenstisch. Eine bleierne Stille.“ Und noch etwas fiel der Radiofrau auf: Die kleinen Springbrunnen entlang der Straße, die Kindern und Jugendlichen im Sommer als Spielplatz oder Treffpunkt dienen, waren noch nicht in Betrieb. Dieser Umstand habe Familien vor Schlimmerem bewahrt, vermutet Holzapfel.
Die Betreiber der angrenzenden Restaurants und Geschäfte äußerten sich auf Nachfrage nicht zum Tathergang. Eine Zeugin saß weinend am Rande des Geschehens, wurde betreut. Eine andere aufgelöste Zeugin sagte der OAZ, sie habe aus der Entfernung gehört, wie der Wagen beschleunigte. Die Aufpraller sollen sich wie Schüsse angehört haben.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach auf der Plattform „X“ von einer „Amokfahrt“: „So eine Tat macht uns sprachlos – und sie macht uns entschlossen. Wir werden alles daransetzen, sie schnell und vollständig aufzuklären. Der Rechtsstaat wird mit aller Konsequenz handeln.“
Am späten Nachmittag traf Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Einsatzort ein. Er zeigte sich erschüttert: „Man will die Stadt offenhalten und dann nutzt jemand diese Situation schamlos aus.“ Der OB bestätigte die beiden Todesopfer. Für die Stadt bestehe keine Gefährdungslage mehr. Er soll sich bei der Festnahme psychisch auffällig verhalten haben, hieß es aus dem Umfeld des Tatorts.

Auch die Vertreter anderer Parteien drückten den Opfern ihr Mitgefühl aus. „Wir wünschen allen Verletzten und Betroffenen dieser schlimmen Amoktat eine schnelle Genesung und Kraft bei der Verarbeitung dieses schrecklichen Ereignisses“, sagten die Grünen-Landespolitiker Franziska Schubert und Valentin Lippmann. Beide hoffen auf eine schnelle Aufklärung der Tat und fordern von Innenminister Schuster eine Unterrichtung im Landtag.
Der BSW-Landtagsabgeordnete und Leipziger Stadtpolitiker Eric Recke erklärte: „Zum Tatzeitpunkt war ich nebenan beim Friedensgebet in der Nikolaikirche. Nach dem Verlassen der Kirche erlebte ich überall schockierte Menschen und gleichzeitig die sehr professionelle Arbeit der Einsatzkräfte, die schnell am Tatort waren, den Täter direkt festnahmen und die Menschen vor Ort versorgten und denen ich ausdrücklich danke.“

Und weiter: „Es wundert mich, dass die Zufahrt zu der engen Einkaufsstraße nicht mit Pollern oder anderen Barrieren für Fahrzeuge gesperrt war und ich fordere, diese Stelle umgehend zu sichern. Die Menschen konnten kaum ausweichen.“
Augenzeugen berichteten, vor Ort seien mehrere Personen mit Tüchern abgedeckt worden. Die Einsatzkräfte waren mit 90 Kameraden und 10 Rettungswagen im Einsatz, die Polizei setzte einen Hubschrauber ein.

