Potsdam

Warum im Park Sanssouci jährlich bis zu 300 Bäume weichen müssen

Hitze und Dürre schädigen 80 Prozent der Gehölze im Unesco-Welterbe. Wie Gärtner am Ruinenberg nun klimaresistente historische Baumarten für die Zukunft züchten.

Vier restaurierte Schmuckvasen stehen auf der Attika des Schlosses Sanssouci.
Vier restaurierte Schmuckvasen stehen auf der Attika des Schlosses Sanssouci.Soeren Stache

Der Park Sanssouci in Potsdam, das prachtvolle Refugium Friedrichs des Großen, steht vor einer Herausforderung, die weit über den Erhalt der Schlossfassaden hinausgeht.

Die historische Anlage, die als Teil der Potsdamer und Berliner Schlösserlandschaft zum Unesco-Welterbe gehört, leidet massiv unter den klimatischen Veränderungen. Anhaltende Trockenheit, extrem niedriges Grundwasser in den Dürrejahren und Wetterextreme setzen dem alten Baumbestand enorm zu. Die Zahlen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sind alarmierend: Rund 80 Prozent der Gehölze weisen mittlerweile deutliche Schäden auf, seit 2017 müssen jährlich etwa 160 bis 300 abgestorbene Bäume gefällt werden.

Die Gärtner und Wissenschaftler arbeiten unermüdlich daran, das botanische Kunstwerk für kommende Generationen zu bewahren. Dabei wandelt sich der Umgang mit der Natur grundlegend. Es geht längst nicht mehr nur um die exakte Rekonstruktion historischer Pflanzpläne, sondern um das Überleben der gesamten Anlage. In einer großen stiftungseigenen Baumschule am Ruinenberg werden deshalb klimaresiliente Gehölze erforscht und herangezogen. Diese sollen den historischen Vorbildern optisch gleichen, aber Hitze und Dürre wesentlich besser trotzen können.

Durch konkrete Feldexperimente und Messungen an Jungbäumen ist Sanssouci heute praktisch zu einem Reallabor für die Anpassung an den Klimawandel geworden. Der Kampf um den Park zeigt eindrücklich, wie tiefgreifend Umweltveränderungen in bewahrte Geschichte eingreifen und wie viel botanische Anpassungsfähigkeit nun gefordert ist.