Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Derzeit beträgt die Wartezeit im Schnitt 42 Tage – fast anderthalb Monate. Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei 33 Tagen. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums hervor. Die Linken hatten in einer Kleine Anfrage den Stand der Patientenversorgung erfragt.
Die Vergabe von Terminen für Fachärzte wird im Terminservice- und Versorgungsgesetz geregelt. Dessen letzte Fassung trat 2019 in Kraft. Laut Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) soll die Verordnung nun weiterentwickelt werden.
Fragen nach Versicherungsstatus verbieten
Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fordert in diesem Zusammenhang die Abschaffung der Extra-Vergütung bei Überweisung an Hausärzte. Stattdessen solle das Primärversorgungssystem gestärkt werden. Letztere möchte auch die Gesundheitsministerin erreichen. Allerdings liegt bisher keine belastbare Gesetzesinitiative vor.
Martin Krasney, Vorstandsmitglied beim GKV-Spitzenverband, forderte in der „Rheinischen Post“ kürzere Wartezeiten und flexible Öffnungszeiten der Praxen. Konkret verlangte er eine gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal zur Terminvergabe. Ob jemand gesetzlich oder privat versichert sei, solle dabei nicht mehr gefragt werden dürfen, so der Kassenverbandsfunktionär.
Kassenärzte weisen Kritik am Gesundheitssystem zurück
Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, wies die Kritik an zu langen Wartezeiten zurück. „Die allermeisten Termine erfolgen innerhalb von drei Tagen, Notfälle werden sofort behandelt“, sagte Gassen der „Rheinischen Post“. Jeder Siebte bekomme sogar noch am selben Tag einen Termin beim Facharzt. In fast allen anderen Ländern seien die Wartezeiten deutlich länger. (mit dpa, epd und AfP)


