Abrechnungswunder

VW-Betriebsrat verlangt Erklärung für plötzliche Milliarden für Vorstandsboni

Während VW-Mitarbeiter auf ihre Mai-Prämie verzichten, tauchen überraschend sechs Milliarden Euro auf – gerade genug für hohe Vorstandsboni.

Hier liegt viel Geld, mann muss es nur suchen: Werksgebäude von VW
Hier liegt viel Geld, mann muss es nur suchen: Werksgebäude von VWSwen Pförtner

Bei VW gibt es Unruhe wegen Bonuszahlungen für die Managerebene. Der Grund: Noch vor drei Wochen hatte VW-Finanzchef Arno Antlitz mit einem Barmittelwert von null Euro gerechnet. Dann meldete der Konzern in einer Pflichtmitteilung plötzlich sechs Milliarden Euro Netto-Cashflow – und übertraf damit die eigene Prognose massiv. Selbst Vorstandskollegen und Aufsichtsratsmitglieder seien von der Nachricht überrascht worden, heißt es in Medienberichten unter Berufung auf Konzernkreise.

Der Betriebsrat reagiert mit Unmut. „Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns“, erklärte ein Sprecher des Arbeitnehmergremiums. Noch in dieser Woche solle ein Spitzengespräch zu dem Thema stattfinden.

Gewerkschaften fordern Aufklärung

Die Arbeitnehmervertreter wollen nicht nur wissen, wie die Milliarden in die Kasse kamen, sondern auch, welche Auswirkungen dies auf die Vorstandsboni und eine mögliche Dividende hat. Bei einem Cashflow von null Euro hätte der Vorstand auf große Teile seines Jahresbonus verzichten müssen. Mit den sechs Milliarden wird nun die höchste Bonusstufe erreicht, die ab 5,6 Milliarden Euro greift. Die Bild-Zeitung rechnet vor: Das bedeutet bis zu 1,75 Millionen Euro zusätzlich pro Vorstandsmitglied.

Verschobene Rechnungen und aufgelöste Rückstellungen

Nach Angaben aus Konzernkreisen erzielte Antlitz die Milliarden durch ein Bündel an Maßnahmen: Entwicklungsausgaben wurden ins Jahr 2026 verschoben, Lagerbestände bei Stahl und Chips reduziert sowie Rückstellungen aufgelöst. Alle Maßnahmen seien legal, könnten jedoch das laufende Geschäftsjahr belasten – denn verschobene Rechnungen müssen letztlich dennoch bezahlt werden.

Die Presseabteilung des VW-Konzerns ließ eine Anfrage um Stellungnahme seit Freitag unbeantwortet. Für viele Beschäftigte dürfte die Nachricht schwer zu vermitteln sein: Die übliche Mai-Prämie wird 2026 und 2027 gestrichen, um dem Unternehmen in schwierigen Zeiten zu helfen. Für den Vorstand gelten offenbar andere Regeln.

US-Arbeiter bekommen 20 Prozent mehr

Während in Wolfsburg um Boni gestritten wird, einigten sich VW und die US-Gewerkschaft UAW auf einen neuen Vertrag für das Werk in Chattanooga. Die rund 3200 Beschäftigten sollen Gehaltserhöhungen von 20 Prozent über die Vertragslaufzeit erhalten, dazu eine Einmalzahlung von 4000 Dollar sowie jährliche Boni von 2550 Dollar. Auch niedrigere Kosten für die Gesundheitsversorgung und mehr Jobsicherheit wurden vereinbart. Die Arbeiter müssen dem Vertrag noch zustimmen.