Am Tag nach der unter pakistanischer Vermittlung vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf die Vereinbarung und weitere Verhandlungen als „unsinnig“ bezeichnet. Gleichzeitig kündigte das Weiße Haus an, hochrangige Unterhändler zu Gesprächen nach Islamabad zu entsenden, die am Samstag beginnen sollen.
Ghalibaf begründete seine Ablehnung am Mittwoch beim Onlinedienst X mit Verstößen der USA und Israels gegen den iranischen Zehn-Punkte-Plan, mit dem Teheran in die Gespräche gegangen war. Konkret verwies er auf die fortdauernden israelischen Angriffe im Libanon, das Eindringen einer Drohne in den iranischen Luftraum am Mittwoch sowie den Widerstand Washingtons gegen das Recht des Iran auf Urananreicherung. „Das tiefe historische Misstrauen, das wir den Vereinigten Staaten gegenüber hegen, rührt von ihren wiederholten Verstößen gegen alle Arten von Verpflichtungen her – ein Muster, das sich leider noch einmal wiederholt hat“, schrieb Ghalibaf.
Die Äußerungen setzen die ohnehin fragile Feuerpause unter zusätzlichen Druck. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hatte die zweiwöchige Waffenruhe am frühen Mittwoch verkündet, nachdem sein Land indirekte Gespräche zwischen Washington und Teheran vermittelt hatte.
USA schicken Kushner und Witkoff, Vance-Teilnahme unsicher
Trotz der iranischen Kritik treiben die USA die Verhandlungen voran. Sprecherin Karoline Leavitt bestätigte bei einem Pressebriefing, dass Vizepräsident JD Vance, Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner die US-Seite in Islamabad vertreten werden.
Auf iranischer Seite werden laut einem hochrangigen pakistanischen Regierungsvertreter, der gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu anonym bleiben wollte, Außenminister Abbas Araghtschi und Parlamentspräsident Ghalibaf selbst erwartet – trotz dessen scharfer Rhetorik. Pakistans Außenminister Ishaq Dar werde ebenfalls an den Gesprächen teilnehmen, so der Beamte. Eine offizielle Bestätigung der Delegationszusammensetzung stand zunächst aus. Teheran bestätigte lediglich die Teilnahme an den Gesprächen, deren genaues Format noch unklar sei.
Uneinigkeit über Angriffe auf Libanon
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Frage, ob die Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Leavitt gab an, dass der Libanon nicht Teil des vorläufigen Abkommens sei – eine Position, die im Widerspruch zur iranischen Auffassung steht. Zudem wies die Sprecherin Medienberichte zurück, wonach der Iran erneut die Straße von Hormus gesperrt habe. Ein solcher Schritt wäre „völlig inakzeptabel“, sagte Leavitt. Trump erwarte die sofortige und uneingeschränkte Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Meerenge.
Leavitt räumte ein, dass Waffenruhen „von Natur aus fragil“ seien und ein langfristiger Waffenstillstand Zeit brauchen werde. Die bisherige, knapp sechswöchige Militäroperation habe ihre „zentralen militärischen Ziele erreicht und übertroffen“, erklärte sie.
Trump hatte die Waffenruhe am Dienstag (Washingtoner Ortszeit) verkündet und den iranischen Zehn-Punkte-Plan als „umsetzbar" bezeichnet – nur knapp zwei Stunden vor Ablauf eines Ultimatums, das er dem Iran wiederholt für die Öffnung der Straße von Hormus gesetzt hatte.


