Balkan

„Völlig inakzeptabel“: EU verurteilt „schockierende“ Kosovo-Gewalt

Die EU fordert die kosovarischen Behörden und serbischen Demonstranten auf, die Spannungen im Nordkosovo zu deeskalieren. Am Dienstag bleibt die Lage angespannt.

Auch am Dienstag bewachen KFOR-Soldaten ein städtisches Gebäude im kosovarischen Zvecan.
Auch am Dienstag bewachen KFOR-Soldaten ein städtisches Gebäude im kosovarischen Zvecan.Dejan Simicevic/AP

Nach Angriffen auf Soldaten der internationalen KFOR-Schutztruppe im Kosovo mit dutzenden Verletzten haben sich am Dienstag erneut serbische Demonstranten vor der Stadtverwaltung in Zvecan versammelt. Wie ein AFP-Journalist vor Ort beobachtete, stellten Soldaten der Nato-geführten Friedensmission im Kosovo eine Metallbarriere um die Verwaltung auf und hinderten hunderte Serben daran, in das Gebäude einzudringen.

Am Dienstag forderte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erneut die kosovarischen Behörden und die demonstrierenden ethnischen Serben auf, die Spannungen „sofort zu deeskalieren“. „Die EU verurteilt die heutige schockierende Gewalt in Zvecan auf das Schärfste. Die Gewalttaten gegen NATO-Truppen, Medien, Zivilisten und Polizei sind völlig inakzeptabel“, schrieb er auf Twitter. „Die EU fordert die kosovarischen Behörden und die Demonstranten dringend auf, die Situation unverzüglich und bedingungslos zu deeskalieren. Wir erwarten von den Parteien, dass sie verantwortungsbewusst handeln und im Rahmen des Dialogs unverzüglich eine politische Lösung finden.“

Zugleich, wie Radio Free Europe berichtet, versuchte der Sonderbeauftragte der Europäischen Union für Dialog, Miroslav Lajcak, ein Treffen zwischen dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und dem Premierminister des Kosovo, Albin Kurti, zu organisieren. Laut der Quellen sei es jedoch unwahrscheinlich, dass eine der beiden Seiten zu einem Treffen oder zu Gesprächen bereit sei.

Situation nach Angriffen auf KFOR-Soldaten weiter angespannt

Drei gepanzerte Fahrzeuge der Polizei – deren Präsenz im mehrheitlich ethnisch-serbischen Norden des Kosovo immer wieder Diskussionen auslöst – blieben Dienstag vor dem Verwaltungsgebäude stehen. Die Demonstranten fordern den Abzug der kosovarischen Sicherheitskräfte aus der Region. Auch verlangen sie die Absetzung von der ethnisch-albanischen Bevölkerungsgruppe angehörenden Bürgermeistern in der mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Region.

Bei Protesten am Montag in Zvecan hatten sich italienische und ungarische KFOR-Soldaten serbischen Demonstranten entgegengestellt, welche die Stadtverwaltung stürmen wollten. Die Soldaten wurden mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen angegriffen. Die kosovarische Polizei setzte Tränengas ein. Insgesamt 30 Soldaten wurden verletzt. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic sprach von 52 verletzten Demonstranten.

Im April hatten die kosovarischen Behörden in vier mehrheitlich von Serben bewohnten Orten Kommunalwahlen abgehalten. Die Serben boykottierten die Wahlen jedoch weitgehend, so dass die albanische Minderheit trotz einer Wahlbeteiligung von insgesamt weniger als 3,5 Prozent die Kontrolle über die Gemeinderäte übernahm.

Bereits am vergangenen Freitag hatte es deshalb vehemente Proteste und Konfrontationen mit den Sicherheitskräften gegeben. Auch dabei setzte die Polizei Tränengas ein. In Serbien versetzte daraufhin Präsident Vucic die Armee in „höchste Alarmbereitschaft“ und entsandte Soldaten an die Grenze zum Kosovo.

Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Rund 120.000 Serben leben im Kosovo, vor allem im Norden des Landes.