Die indonesische Militärpolizei hat am Mittwoch vier Soldaten festgenommen. Sie sollen an dem Säureangriff auf den Menschenrechtsaktivisten Andrie Yunus am Abend des 12. März im Zentrum von Jakarta beteiligt gewesen sein. Das berichtete Reuters unter Berufung auf Militärangaben. Es handelt sich um die ersten offiziellen Festnahmen in dem Fall. Die vier Verdächtigen gehören dem Bericht zufolge einer Nachrichtendiensteinheit der indonesischen Streitkräfte an.
Yunus arbeitet für die Menschenrechtsorganisation KontraS (Kommission für Verschwundene und Opfer von Gewalt), die seit Jahren Übergriffe durch staatliche Stellen dokumentiert. Bei dem Angriff erlitt er Verätzungen an Gesicht, einem Auge, Händen und Oberkörper erlitten, wie die internationale Menschenrechtsorganisation Front Line Defenders am 13. März mitteilte.
Dass der Verdacht auf Militärangehörige fällt, gibt dem Fall eine politische Dimension. Front Line Defenders stufte die Tat als gezielten Angriff auf einen Menschenrechtsverteidiger ein. KontraS befasst sich unter anderem mit dem gewaltsamen Verschwindenlassen von Personen und mit Übergriffen des Sicherheitsapparats – Themen, die in Indonesien politisch heikel sind.
Wachsende Kritik an Präsident Prabowo
Der Fall verschärft die Debatte über den Einfluss des Militärs im zivilen Leben unter Präsident Prabowo Subianto. Prabowo hatte die Präsidentschaftswahl 2024 nach mehreren gescheiterten Anläufen gewonnen und war im Wahlkampf betont volksnah aufgetreten. Seit seinem Amtsantritt steht er jedoch unter wachsender Kritik.
Ende August 2025 kam es landesweit zu Protesten und schweren Unruhen gegen die Politik der Regierung und gegen Privilegien für Abgeordnete. Prabowo sagte damals, Teile der Ausschreitungen erinnerten an Terrorismus und Hochverrat. Bis Februar 2026 wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen knapp 7000 Menschen festgenommen, 500 verurteilt und 125 weiter in Haft gehalten. Beobachter beschrieben das Vorgehen als Repressionswelle, die an autoritäre Muster früherer Jahrzehnte erinnere.
Im November 2025 hatte Prabowo den früheren Diktator Suharto posthum zum Nationalhelden erklärt. Unter Suhartos jahrzehntelanger Herrschaft waren Hunderttausende Menschen getötet worden, Menschenrechte wurden systematisch verletzt. Human Rights Watch kritisierte die Entscheidung scharf und wertete sie als Rehabilitierung Suhartos. Gegen Prabowo gibt es seit langem Vorwürfe im Zusammenhang mit der Entführung von Demokratieaktivisten in den späten 1990er Jahren; ein Teil der Betroffenen blieb verschwunden.
Ob im Fall Andrie Yunus nach weiteren Verdächtigen gesucht wird und wer den Säureangriff angeordnet haben könnte, ist bisher nicht bekannt. In den vergangenen Tagen hatten sich Justizminister Yusril Ihza Mahendra und Polizeichef Listyo Sigit Prabowo laut Reuters bereits zu dem Fall geäußert. Während Yusril von einem Angriff auf die Demokratie sprach, kündigte Listyo eine umfassende Aufklärung an.


