Die venezolanische Regierung hat einen Meinungsartikel aus der amerikanischen Presse scharf zurückgewiesen, der die amtierende Vizepräsidentin Delcy Rodríguez mit kriminellen Strukturen in Verbindung bringt. Über den offiziellen Regierungskanal auf der Plattform X bezeichnete die Regierung die Veröffentlichung als Falschmeldung – und Teil einer gezielten Desinformationskampagne.
Die Regierung in Caracas sieht in derartigen Berichten einen Angriff auf die Stabilität und Souveränität des Landes. Solche Nachrichten dienten dazu, „Unsicherheit zu schaffen und die Regierungsfähigkeit durch Manipulation des Volkes zu beeinträchtigen“, heißt es in der Stellungnahme. Die Verbreitung von Falschmeldungen stelle eine direkte Bedrohung für den Frieden Venezuelas dar und werde als Instrument zur Legitimierung ausländischer Interventionen eingesetzt.
Vorwürfe seit Jahren – ohne rechtliche Konsequenzen
Die Anschuldigungen gegen Rodríguez sind nicht neu. Die amerikanische Drogenbehörde DEA führt die Vizepräsidentin laut Berichten der Nachrichtenagentur Associated Press seit Jahren als vorrangiges Ermittlungsziel. Interne Dokumente sollen Verdachtsmomente zu Geldwäsche, Verbindungen zum sanktionierten Geschäftsmann Alex Saab sowie zu Gold- und Rohstoffgeschäften enthalten.
Ehemalige venezolanische Militärs und Funktionsträger, darunter der übergelaufene General Clíver Alcalá Cordones, behaupten, Rodríguez und ihr Bruder hätten Führungsrollen im Cartel de los Soles übernommen – einem angeblich im Militär- und Regierungsapparat verankerten Drogennetzwerk.
Rodríguez steht seit 2018 auf der Sanktionsliste des amerikanischen Finanzministeriums (OFAC). Der sogenannte Delcygate-Vorfall in Spanien 2020, bei dem sie trotz EU-Einreiseverbot den Madrider Flughafen betrat und sich mit dem damaligen Verkehrsminister traf, sorgte für diplomatische Spannungen.
Juristisch nicht belegt, politisch umstritten
Trotz der langjährigen Ermittlungen und Medienberichte hat die US-Regierung bislang keine offizielle Anklage gegen Rodríguez erhoben. Associated Press betont ausdrücklich, dass Verdachtsmomente keine Beweise darstellen. Viele der belastenden Aussagen stammen aus Geheimdienstkreisen oder von politisch motivierten Überläufern, ihre Glaubwürdigkeit kann nicht unabhängig überprüft werden.
Die venezolanische Regierung bezeichnet die Vorwürfe als haltlos. Rodríguez selbst hat wiederholt erklärt, dass derartige Versuche der Diskreditierung „früher oder später unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen“ würden.
Einordnung: Zwischen Recherche und politischem Kalkül
Die Vorwürfe gegen Rodríguez bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen investigativer Berichterstattung und geopolitischen Interessen. Während renommierte Medien und Behörden der USA seit Jahren Verbindungen zu kriminellen Netzwerken dokumentieren, fehlt bislang jegliche rechtskräftige Verurteilung. Transparency International stuft Venezuela als eines der korruptesten Länder weltweit ein.
Kritiker sehen in den Anschuldigungen ein politisches Druckmittel der USA im Konflikt mit der Regierung in Caracas. Befürworter der Ermittlungen verweisen auf die Vielzahl unabhängiger Quellen und die Konsistenz der Vorwürfe über Jahre hinweg. Eine abschließende juristische Klärung steht weiterhin aus.

