Nach dem Ja der SPD zum Koalitionsvertrag mit der Union wird die Aufstellung der Ministerriege der Sozialdemokraten mit Spannung erwartet. Parteichef Lars Klingbeil soll Vizekanzler und Finanzminister im Kabinett des künftigen Kanzlers Friedrich Merz (CDU) werden.
Am Montag sollen die sechs anderen Ministerinnen und Minister der SPD benannt werden. Eine wichtige Rolle könnte Ex-Bundestagspräsidentin Bärbel Bas spielen. Über ihre Ambitionen hält sie sich noch bedeckt. Offen bleibt das politische Schicksal der Co-Parteivorsitzenden Saskia Esken.
Große Ablehnung gegen Saskia Esken in der SPD
Bei der Zusammenstellung des Regierungsteams wolle Klingbeil auf Erfahrung setzen, „aber auch auf neue Gesichter und sichtbare Schritte zu einem Generationswechsel in der SPD, wie wir ihn angekündigt haben“, versicherte er in einem Schreiben an die SPD-Bundestagsfraktion.
Klingbeil erhält jedoch nicht nur Zustimmung. Kritisiert wird besonders, dass Saskia Esken leer ausgehen könnte, während Klingbeil nach der Macht greift – wo doch beide gemeinsam und zusammen mit Kanzler Olaf Scholz die Wahlniederlage zu verantworten haben. Besonders SPD-Frauen und Parteilinke fordern deshalb eine hervorgehobene Position für Esken.
Andererseits schlägt Esken auch einige Ablehnung entgegen. Der eigene baden-württembergische Landesvorstand nominierte sie nicht mehr für den Bundesvorstand. Gerhard Gaiser, SPD-Fraktionschef im Kreistag Freudenstadt in Eskens Wahlkreis, sagte, Esken dürfe nicht „als Ministerin wegbefördert werden“. Auch die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey äußerte sich gegen einen möglichen Ministerposten für die SPD-Co-Chefin, Esken habe im Kabinett nichts verloren. „Die SPD sollte mit der Kabinettsbesetzung ein Zeichen des Neubeginns setzen“, forderte Giffey und unterstrich damit den parteiinternen Unmut. „Alles andere wäre in der Bevölkerung nach der historischen Wahlschlappe nicht erklärbar.“
Beförderung von Klingbeil trotz Wahlschlappe sorgt für Kritik
Diese Beförderung zu einem Ministerposten, den Klingbeil nun offenbar trotz Wahlschlappe innehat, wird kritisiert. „Dass der Mann im Anschluss mit dem Job des Vizekanzlers, des Finanzministers und des Fraktionsvorsitzes belohnt wird, während die Frau intern einfach zum Sündenbock erklärt und öffentlich zum Rücktritt gedrängt wird, hat mal wieder ganz schlimme patriarchale Vibes“, so Journalist Ingwar Perowanowitsch auf der Plattform X.
Lars Klingbeil und Saskia Esken waren beide gleichwertig Parteivorsitzende und somit gleich verantwortlich, als die SPD im Februar ihr schlechtestes Wahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren hat. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber dass der Mann im Anschluss mit dem Job des…
— Ingwar Perowanowitsch (@Perowinger94) April 30, 2025


