Weißes Haus

USA erwägen Mega-Zahlungen an Grönländer: Bis zu 100.000 Dollar pro Person für Loslösung von Dänemark

Trotz Protesten aus Kopenhagen und Nuuk prüfen Washingtons Entscheidungsträger, wie ein „Kauf“ der Insel im Nordatlantik praktisch aussehen könnte. Was über die Pläne bekannt ist.

Grönland: Von Schnee bedeckte Häuser sind an der Küste einer Meeresbucht von Nuuk zu sehen.
Grönland: Von Schnee bedeckte Häuser sind an der Küste einer Meeresbucht von Nuuk zu sehen.Evgeniy Maloletka/AP

US-Beamte diskutieren derzeit offenbar, den Bewohnern Grönlands hohe Einmalzahlungen anzubieten, um sie davon zu überzeugen, sich von Dänemark zu lösen und sich den Vereinigten Staaten anzuschließen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Obwohl die genaue Höhe der Zahlungen und die Umsetzung noch unklar sind, haben US-Beamte, darunter auch Mitarbeiter des Weißen Hauses, über Beträge zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar pro Person gesprochen, so zwei der internen Quellen.

Die Idee, den Bewohnern Grönlands direkte Geldzahlungen anzubieten, liefert eine mögliche Erklärung dafür, wie die USA versuchen könnten, die Insel mit ihren rund 57.000 Einwohnern „zu kaufen“, obwohl die Behörden in Kopenhagen und Nuuk immer wieder betonen, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe.

Wie genau die Zahlungen zur Loslösung von Dänemark führen sollen, wurde nicht erläutert. Reuters zufolge werden derzeit jedoch verschiedene Pläne im Weißen Haus zur Erwerbung Grönlands diskutiert – darunter auch ein möglicher Einsatz des US-Militärs, wie US-Präsident Donald Trump bereits vor Monaten drohte.

Grönländer befürworten Unabhängigkeit

Eine direkte Einbindung der Grönländer könnte dafür sorgen, dass sie sich durch die derzeitige Diskussion nicht weiter herabgewürdigt fühlen. Die Bevölkerung der Insel diskutiert schon lange über ihre Unabhängigkeit und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Dänemark.

„Genug ist genug … keine Fantasien über eine Annexion mehr“, schrieb Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen am Sonntag in einem Facebook-Beitrag, nachdem Trump erneut Reportern erklärt hatte, dass die USA die Insel erwerben müssten. „Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen“, betonte er. Dies müsse aber „über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen“, so Nielsen weiter.

USA haben „strategisches Interesse“ an Grönland

Trump hatte seit seiner Amtsübernahme immer wieder offen über eine Übernahme Grönlands gesprochen und damit eine diplomatische Verstimmung zwischen Washington und Europa ausgelöst. Der US-Präsident begründet sein Interesse an der zu Dänemark gehörenden Insel seither mit strategischen Sicherheitsinteressen der USA.

Die USA unterhalten bereits mit der Luftwaffenbasis Pituffik die nördlichste Militärpräsenz auf grönländischem Boden – ein wichtiger Standort im geopolitischen Wettbewerb zwischen den USA, China und Russland um den Einfluss in der Arktis. Denn auch Peking und Moskau haben ihre Präsenz in den Gewässern rund um Grönland zuletzt deutlich erhöht.

Während eines Pressebriefings sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt am Mittwoch, dass Trump und seine Mitarbeiter im Bereich nationale Sicherheit derzeit „prüften, wie ein möglicher Kauf aussehen könnte“. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, er werde sich nächste Woche in Washington mit seinem dänischen Amtskollegen treffen, um über Grönland zu sprechen.